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H145 der ADAC Luftrettung fliegt erstmalig mit SAF

Noch ist nachhaltig produzierter Treibstoff deutlich teurer als konventionelles Kerosin. Doch SAF hat das Potenzial, die CO2-Emissionen durch die Luftfahrt deutlich zu senken. Die ADAC Luftrettung, Airbus Helicopters und Safran Helicopter Engines wollen die langfristigen Auswirkungen von SAF auf die Technik nun in einem Feldversuch testen.

7.06.2021

In München Harlaching wurde weltweit erstmalig ein Rettungshubschrauber für einen Einsatz mit SAF (Sustainable Aviation Fuel) betankt. © ADAC Luftrettung

Bei den Bemühungen um eine Dekarbonisierung der Luftfahrt spielt nachhaltig produzierter Treibstoff SAF (Sustainable Aviation Fuel) eine entscheidende Rolle. Die ADAC Luftrettung hat jetzt erstmalig einen Rettungshubschrauber mit einer Mischung aus konventionellem Kerosin aus fossilen Quellen und SAF betankt und betrieben. Derzeit ist der Betrieb mit einem Mischungsverhältnis von maximal 50 Prozent zugelassen, die H145 der ADAC Luftrettung am Standort in München Harlaching wurde mit einer Beimischung von 40 Prozent SAF betankt.

Der ADAC bezog den Treibstoff für den ersten Flug vom französischen Energiekonzern TotalEnergies. Das SAF wird aus Abfällen wie beispielsweise gebrauchten Speiseölen und -fetten gewonnen, die für die Produktion von Lebensmitteln nicht mehr nutzbar sind. „Mit dem in München verwendeten Bio-Kerosin könnte die Flotte der ADAC Luftrettung eine Verringerung des CO2 Ausstoßes um 33 Prozent erreichen, was bei mehr als 50.000 Rettungseinsätzen und mehr als 3,3 Millionen geflogenen Kilometern pro Jahr, einer Reduzierung von rund 6.000 Tonnen CO2 entspricht“, teilte die ADAC Luftrettung mit.

Den nachhaltig produzierten Treibstoff für die H145 des ADC lieferte TotalEnergies. © ADAC Luftrettung

Der Erstflug der H145 mit SAF stellte den Auftakt eines Pilotprojektes dar, mit dem die ADAC Luftrettung, der Triebwerkshersteller Safran Helicopter Engines und Airbus Helicopters die langfristigen Auswirkungen der SAF-Nutzung auf die Technik des Hubschraubers testen wollen. Ab diesem Sommer soll der Rettungshubschrauber Christoph Rheinland aus Köln regelmäßig mit SAF abheben.

Pilotprojekt mit Christoph Rheinland

Basierend auf den Erkenntnissen des Pilotprojektes wollen die Partner im Laufe der nächsten Jahre den Anteil von SAF im Treibstoff des Hubschraubers auf bis zu 100 Prozent steigern. Neben SAF aus Abfällen wollen die Projektpartner auch synthetischen Treibstoff, so genanntes PtL (Power-to-Liquid), in ihre Tests einbeziehen.

Frédéric Bruder, der Geschäftsführer der ADAC Luftrettung gGmbH, sagte zum Startschuss des Pilotprojekts: „Wir wollen in der Luftrettung mit umweltfreundlichem Kerosin Vorreiter bei der Reduzierung von CO2 sein. Und wir wollen die Luftrettung damit auch technologisch weiterentwickeln, um sie längerfristig zukunftssicher zumachen. Um dies zu erreichen, haben wir starke Partner an unserer Seite. Wichtig dabei: Bei Biofuel handelt es sich um einen offiziell zugelassenen Kraftstoff – die Flug- und Patientensicherheit bleiben somit auf dem gewohnt höchsten Niveau.“

SAF ist derzeit nur in begrenzten Mengen verfügbar und in der Anschaffung deutlich teurer als Treibstoff aus fossilen Quellen. Die Energieunternehmen arbeiten mit Hochdruck daran, ihre Produktionskapazitäten für SAF zu erhöhen und den Treibstoff, der das Potenzial hat, die CO2-Emissionen um bis zu 90 Prozent zu senken, in ausreichender Menge zur Verfügung zu stellen.

Volker K. Thomalla

 

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Über Volker K. Thomalla

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Volker K. Thomalla ist Chefredakteur von aerobuzz.de. Er wurde 2021 mit dem Aerospace Media Award (Kategorie Business Aviation) ausgezeichnet. Er berichtet seit über 35 Jahren als Journalist über die Luft- und Raumfahrt. Von 1995 bis 2016 leitete er als Chefredakteur die Redaktion aerokurier, von 2000 bis 2016 zusätzlich die Redaktionen FLUG REVUE und Klassiker der Luftfahrt. Thomalla war zwischen 2016 und 2020 Chefredakteur des englischsprachigen Business-Aviation-Magazins BART International. Er hat mehrere Bücher über die Luftfahrt geschrieben und als Privatpilot auch praktische Flugerfahrung gesammelt.

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