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Das fliegende Observatorium SOFIA geht in den Ruhestand

Nach nur acht statt wie geplant 20 Betriebsjahren wird die fliegende Sternwarte SOFIA im Herbst dieses Jahres ausgemustert. Das gemeinsam von der NASA und dem DLR betriebene Projekt nutzt ein im Heck einer Boeing 747SP installiertes Teleskop, um Sterne und Planetensysteme zu beobachten, die von der Erde aus nicht beobachtet werden können. 

4.05.2022

Das fliegende Observatorium SOFIA wird im September 2022 seine aktive Karriere beenden. © NASA/C. Thomas

Obwohl die fliegende Sternwarte SOFIA erst 2014 ihren wissenschaftlichen Flugbetrieb aufgenommen hatte, wird sie nach dem 30. September dieses Jahres nach nur acht Jahren Betriebszeit nicht mehr fliegen. Dies haben die Programmpartner NASA und DLR gemeinsam beschlossen und am 30. April verkündet. SOFIA ist ein weltweit einmaliges Flugzeug. Die Abkürzung steht für (Stratospheric Observatory for Infrared Astronomy) und bezeichnet genau, welche wissenschaftliche Aufgabe das Projekt verfolgt. SOFIA ist eine umgebaute Boeing 747SP und wurde entwickelt, um in großer Höhe zu fliegen und junge Sterne und Planetensysteme zu beobachten, die von der Erde aus auch von den besten Teleskopen nicht gesehen werden können. In der irdischen Atmosphäre ist für bestimmte Beobachtungen einfach zu viel Wasserdampf. 

Boeing 747SP SOFIA

Die Boeing 747SP mit dem Kennzeichen N747NA erhielt im Rahmen eines mehrjährigen Umbaus ein Teleskop im Heck eingebaut, das rund 15.400 Kilogramm wiegt und seine Beobachtungen durchführt, indem auf der linken Rumpfseite im Heck des Flugzeugs ein Riesentor geöffnet wird. In einer Höhe zwischen 12 und 14 Kilometern lässt man rund 99,9 Prozent des Wasserdampfs in der Atmosphäre unter sich und kann Infrarot-Strahlung einfangen. Der Spiegeldurchmesser des Teleskops beträgt 2,7 Meter.

SOFIA wurde fünf Jahre lang getestet

2009 flog SOFIA zum ersten Mal mit der komplett geöffneten Teleskoptür. Nach einer Test- und Erprobungsphase wurde das Flugzeug 2014 für voll einsatzfähig erklärt. Damit begann die im Kooperationsvertrag zwischen NASA und DLR vereinbarte, 20-jährige Nutzungsdauer. Doch schon 2020 zierte sich die NASA, die Nutzungsdauer wie vorgesehen um weitere fünf Jahre zu verlängern. Nun kam das Aus, nachdem die National Academy of Sciences, Engineering an Medicine der Vereinigten Staaten von Amerika in ihren langfristigen Budgetplanungen das Ende von SOFIA empfohlen hatte. Nach ihrer Meinung rechtfertigen die wissenschaftlichen Ergebnisse des Betriebs von SOFIA nicht die hohen Kosten des Betriebs. Dr. Walther Pelzer, DLR-Vorstandsmitglied und Leiter der Deutschen Raumfahrtagentur im DLR, sagte: „Diese Empfehlungen haben für die NASA eine hohe Verbindlichkeit. SOFIA ist weltweit einzigartig und war mit Beginn des Regelbetriebs im Jahr 2014 mit insgesamt rund 800 Flügen für die Wissenschaft erfolgreich im Einsatz. Die Teams auf beiden Seiten des Atlantiks haben hervorragende Arbeit geleistet. Dafür gilt ihnen unser Dank!“

SOFIA ist in Palmdale in Kalifornien beheimatet und war mehrfach in Deutschland, einerseits, weil die Lufthansa Technik die vorgeschriebenen Wartungen durchführte, andererseits aber auch im Februar 2021 zu einer mehrwöchigen Beobachtungskampagne, die vom Flughafen Köln/Bonn aus geflogen wurde. Im Rahmen von verschiedenen Kampagnen war SOFIA regelmäßig in Christchurch in Neuseeland, aber auch in Chile zu Gast. 

Bob Fischer

 

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Über Bob Fischer

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Bob Fischer ist PPL-Inhaber mit diversen Ratings. Er veröffentlicht regelmäßig Beiträge in Luftfahrtmagazinen auf der ganzen Welt. Bob hat eine große Erfahrung in Air-to-air-Fotografie mit Jets, Kolbenmotor- und Turbopropflugzeugen. Er hat mehr als 40 Jahre für der CAA-NL gearbeitet, sein letzter Job war Inspekteur für Flugausbildung in den Niederlanden.

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