Rund 6.750 nautische Meilen, umgerechnet 12.500 Kilometer Flugstrecke liegen zwischen dem Heimatstützpunkt des LTG 62 in Niedersachsen und den Inseln im Pazifischen Ozean. Diese Strecke absolvierte der viermotorige Transporter in weniger als 17 Stunden. Das Besondere an diesem Flug: Er erfolgte vollständig ohne Unterstützung anderer Verbände. Die bei diesem Langstreckenflug erforderlichen Luftbetankungen wurden von zwei weiteren A400M des LTG 62 gewährleistet. Dabei wurden rund 35 Tonnen Treistoff an die Maschine abgegeben. Oberst Markus Knoll, der Kommodore des Lufttransportgeschwaders 62, sagte: „Wir haben damit erprobt, in kürzester Zeit an einen weit entfernten Ort zu kommen, ohne Tankstopps in anderen Ländern durchführen zu müssen. Wenn eine Operation möglichst geheim gehalten werden soll, geht das nur so. Kaltstartfähigkeit komplett aus eigenen Mitteln.“
Das Lufttransportgeschwader 62 ist mit seinen Airbus A400M in Wunstorf stationiert. © Bundeswehr
Mit diesem Flug übertraf die Luftwaffe sogar den bisherigen Langstrecken-Rekordflug der britischen Royal Air Force vom 3. und 4. Juli 2023, als eine A400M von England nach Guam flog und dabei 6.517 nautische Meilen zurücklegte. AeroBuzz hatte darüber berichtet.
Beim Flug nach Hawaii fast den Nordpol erreicht
Oberst Knoll berichtet im Interview: „Die Maschine flog zunächst Richtung Norwegen, dann nach Island und weiter nach Norden, Richtung Nordpol. Der wurde circa 150 Kilometer südlich passiert. Von dort ging es Richtung Süden nach Alaska und dann über den Pazifik nach Big Island, eine der hawaiianischen Inseln.
Knapp 15 Minuten vor diesem Flugzeug startete in Wunstorf eine weitere Maschine. Dies war die erste fliegende Tankstelle, die zwischen Norwegen und Island für den ersten Betankungsvorgang mit ungefähr 18 Tonnen genutzt wurde und dann nach Norwegen für eine Zwischenlandung abdrehte. Den zweiten eingesetzten Tanker hatten wir im Vorfeld in Alaska stationiert. Dieser hat nach zwei Dritteln der Strecke den zweiten Betankungsvorgang vorgenommen und noch einmal ungefähr die gleiche Menge Treibstoff abgegeben.“
Ende eines langen Einsatzes: Anflug auf den Ellision Onizuka Kona International Airport auf Big Island auf Hawaii. © Bundeswehr
Knoll begründete den Flug auch mit dem Fährigkeitsgewinn für die Luftwaffe: „Für die Luftwaffe und für die Bundeswehr erproben wir damit eine neue Fähigkeit und zwar die, in kürzester Zeit an einen weit weit entfernten Ort zu kommen. Nehmen wir einmal an, das LTG 62 müsste eine Evakuierungsoperation beispielsweise irgendwo im Süden des afrikanischen Kontinents durchführen. Hierfür gäbe es zwei Möglichkeiten. Die herkömmliche und im Normalflugbetrieb genutzte Variante wäre, über verschiedene Länder dorthin zu fliegen und immer bei Bedarf einen Tankstopp am Boden zu machen. Hierfür werden jedoch Überfluggenehmigung benötigt, die eine gewisse Kommunikation mit den Ländern erfordern.
Wenn jedoch eine Operation möglichst geheim gehalten werden soll, geht das nur mit dieser Fähigkeit. Dadurch haben wir einen deutlichen Mehrwert. Damit können wir eine zusätzliche Fähigkeit in der Werkzeugkiste der Bundeswehr für die Bereiche Evakuierungsoperation, Hilfeleistung oder andere Zwecke bereitstellen. Wir verfügen somit über eine Kaltstartfähigkeit komplett aus eigenen Mitteln. Wir müssen nicht erst langfristig vorher bei einer Partnernation einen Großraumtanker anfordern. Das können wir mit unseren eigenen A400M.“
Bob Fischer
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