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Luftwaffe transportierte Eurofighter per LKW nach Kaufbeuren

Da die Start- und Landebahn des Fliegerhorstes in Kaufbeuren derzeit für Fighter nicht anfliegbar ist, musste ein Eurofighter für das Technische Ausbildungszentrum der Luftwaffe (TAusbZLw Süd) auf der Ladefläche eines Spezialtransporters zu seinem Ziel gebracht werden.  

19.06.2020

Ab Landsberg konnte der Eurofighter-Transport auf der Autobahn mehrere Kilometer auf der Autobahn A96 fahren. © Bundeswehr/Kronenbitter

Die Soldaten und Techniker der Technischen Ausbildungszentren der Luftwaffe benötigen für ihre Ausbildung Material, das dem entspricht, mit welchem die Verbände ausgerüstet sind. Dazu gehören auch komplette Luftfahrzeuge wie der Eurofighter. Das Technische Ausbildungszentrum der Luftwaffe Süd (TAusbZLw Süd) in Kaufbeuren nutzte in den vergangenen Jahren einen Eurofighter der Tranche 1, der bislang nur 115 Flugstunden im Logbuch stehen hatte. Doch das Flugzeug entspricht nicht mehr dem aktuellen Stand und muss deshalb ausgetauscht werden. Es wird an die Industrie nach Manching abgegeben, die es aktualisiert und nach einer gründlichen Überholung wieder an ein Geschwader übergibt.

Eurofighter-Transport

Als Ersatzflugzeug hatte die Luftwaffe einen Eurofighter der Tranche 2 vom Taktischen Luftwaffengeschwader 31 „Boelcke“ aus Nörvenich vorgesehen, der bislang 592 Flugstunden auf 442 Flügen gesammelt hat. Allerdings konnte er nicht direkt in Kaufbeuren landen, da die Piste des Fliegerhorstes derzeit nicht anfliegbar ist. Stattdessen landete der Fighter auf dem rund 50 Kilometer entfernten Fliegerhorst Lechfeld, wo er auf einen Spezialtransporter umgeladen wurde.

Die Spannweite des Eurofighter beträgt 10,95 Meter, die Länge 15,96 Meter, die Höhe 5,28 Meter.  Diese Dimensionen zeigen die Herausforderungen eines Straßentransports klar auf. Zwar wurde das Seitenleitwerk des Fighters entfernt, damit der Spezialtransporter unter Brücken hindurchfahren konnte, aber die Tragflächen konnten beispielsweise nicht demontiert werden. Die Vorbereitung auf den Straßentransport dauerte mehrere Wochen.

Das Flugplatztor war zu klein

In der Nacht vom 17. auf den 18. Juni startete der Transport um 20.00 Uhr in Lechfeld, begleitet von der Bayerischen Polizei und Feldjägern. Aufgrund der Spannweite des Eurofighters konnte der Spezial-LKW weder die Ausfahrt bei der Hauptwache des Stützpunktes noch ein Crashtor nutzen. „Wir haben mit dem Bolzenschneider den Flugplatzzaun durchgeschnitten“, berichtet Oberstleutnant Max-Joseph Kronenbitter vom TAusbZLw Süd über die unkonventionelle Lösung. In strömendem Regen fuhr der Transport über eigens ausgelegte Stahlplatten bis zur nächsten Straße. Über die Bundesstraße B17 und die Autobahn A96 ging es in Richtung Kaufbeuren.

Der Transport kam schnell voran, doch die größten Herausforderungen waren in Kaufbeuren selbst zu meistern, da der Transport durch die Innenstadt führte. 30 Verkehrszeichen und sechs Ampeln musste umgelegt werden, damit der Eurofighter sein Ziel erreichen konnte. Zum Teil ging es nur in Schrittgeschwindigkeit voran, damit der wertvollen Fracht nichts passiert. Dennoch erreichte der Eurofighter sein Ziel gegen 02.00 Uhr am 18. Juni, rund eine Stunde früher als geplant.

„Künftig sollen die Ausbildungsflugzeuge nicht mehr zehn Jahre bei uns bleiben, sondern früher getauscht werden“, so Oberstleutnant Kronenbitter. Nach ihrer Zeit als Lehrmaterial kommen die Flugzeuge wieder per Straßentransport zur Industrie, wo sie überholt werden, damit sie wieder in einem Verband in den Flugbetrieb gehen können.

Volker K. Thomalla

 

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Über Volker K. Thomalla

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Volker K. Thomalla ist Chefredakteur von aerobuzz.de. Er berichtet seit über 30 Jahren als Journalist über die Luft- und Raumfahrt. Von 1995 bis 2016 leitete er als Chefredakteur die Redaktion aerokurier, von 2000 bis 2016 zusätzlich die Redaktionen FLUG REVUE und Klassiker der Luftfahrt. Thomalla ist seit 2016 Chefredakteur des englischsprachigen Business-Aviation-Magazins BART International. Er hat mehrere Bücher über die Luftfahrt geschrieben und als Privatpilot auch praktische Flugerfahrung gesammelt.

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