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Das Caproni-Museum und das Festivolare sind einen Besuch wert

Welche Airshow versetzt ihre Besucher zurück in die historischen Anfänge der Luftfahrt? Mit fliegenden Nachbauten von Militärflugzeugen, die schon während des Ersten Weltkrieges eingesetzt wurden? Etwa einem dreimotorigen Doppeldecker Caproni Ca.3 in Holzbauweise. Oder einem Jagdflugzeug SPAD S.XIII, welches den Bomber am Himmel begleitet?

14.05.2026

Diese Savoia-Marchetti SM.79-III Sparviero diente bei den Luftstreitkräften des Libanons. © Ralf Kurz

Wer diese fliegenden Legenden in Aktion sehen will, muss zur Festivolare Trentino Air Show reisen. Der Gründungsgedanke dieses nostalgischen Treffens beruht auf zwei aviatischen Rekorden: Der damals hundertjährige Francesco Volpi hob 2014 als weltweit ältester Pilot in Trento ab. Im Gedenken an ihn – der 2019 verstarb – findet seitdem jährlich diese Flugveranstaltung statt. Als Flugzeug benutzte Francesco Volpi eine Caproni Ca.100, welche sich 1929 zum ersten mal in die Lüfte erhob. Jener Doppeldecker war eine Entwicklung des Konstrukteurs und Flugpioniers Gianni Caproni. Er begann schon im Jahr 1927 mit dem Aufbau der weltweit ältesten Luftfahrtsammlung. Heute ist sein Museum auf dem nach ihm benannten Flugplatz Trento beheimatet.

Caproni-Museum in Trento

Die nächste Festivolare Trentino Air Show findet dort zum zwölften Mal vom 19. bis 20.September 2026. statt. Sie zählt bezüglich der Teilnehmerzahl an historischen Flugzeugen zu einer der größten Airshows in Europa. Und der Flugplatz liegt nur rund 45 Kilometer nordöstlich des Nordufers des Gardasees, ist also von Süddeutschland aus einfach erreichbar.

Binnen weniger Stunden wollten bereits 2024 zwei Dutzend Akteure dem Publikum ihre Künste zeigen. Auch Spitzenteams folgten dem Lockruf in die malerische Kulisse zwischen Dolomiten und Etschtal. Etwa die Flying Bulls mit ihren bekannten Klassikern F4U Corsair und T-28 Trojan. Trento ist für manche Enthusiasten der perfekte Ort, die genannten Warbirds mal abseits riesiger Menschenmassen genauer inspizieren zu können. Oder wer lässt sich die Gelegenheit entgehen, im Cockpit solcher Oldtimer sitzen zu dürfen? Als Hauptattraktion der Vorführungen entpuppten sich die Darbietungen zweier Strahltrainer. Eine Aermacchi MB.326, sowie die Aero L-39 Albatros fungierten als lautstarke Hingucker.

Wegen des engen Zeitplans bildeten sich vor dem einzigen Taxiway zur 1.130 Meter langen Runway 18/36 ständig Warteschlangen einsatzbereiter Maschinen mit laufenden Motoren. Diese mussten sich oftmals gedulden bis ihre Kollegen in der Luft endlich Platz machten.

Der Bomber Caproni Ca.3 ist eines der absoluten Highlights der Festivolare Trentino Air Show. © Ralf Kurz

Wer den flugfähigen Nachbau einer Caproni Ca.3 – des einzigen Bombers im Ersten Weltkrieg – am Himmel fliegen sehen will, bekommt dazu die richtige Einstimmung im Museum Caproni. Als zentraler Blickfang dient die legendäre dreimotorige Savoia-Marchetti SM.79 Sparviero. Das ausgestellte Exemplar stand ehemals bei der libanesischen Luftwaffe im Einsatz und zeigt sich in deren attraktiven Farben. Dieses italienische Flugzeugmuster wurde von 1934 bis 1943 in einer Stückzahl von rund 1.300 Einheiten produziert und war ursprünglich als Verkehrsflugzeug für acht Passagiere gedacht. Während des Zweiten Weltkrieges diente jener mittelschwere Bomber dann auch als Aufklärer, Transporter und wurde mit Torpedos bestückt. Daher nennen Experten die Sperber auch eine Meisterleistung italienischer Konstrukteurskunst.

Aber das Museum beherbergt weitere  Raritäten, welche man sonst nirgendwo sehen kann. Zum Beispiel die Ansaldo SVA.5, ein Original, das bereits 1918 am Himmel über Wien flog. Ein Trip nach Trento zur Festivolare Air Show lohnt sich wegen des sehenswerten Luftfahrtmuseums mit seltenen Exponaten des italienischen Flugzeugbaus in jeden Fall. Wo sonst kann man uralte Flugzeugklassiker während einer Air Show vor imposanter Gebirgskulisse bewundern?

Ralf Kurz

 

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Über Ralf Kurz

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Mein Name ist Ralf Kurz und ich wurde 1958 in München geboren. Seit der Kindheit fasziniert mich die Fliegerei. Meinen Traumjob, Pilot zu werden, konnte ich nicht realisieren. Nebenberuflich arbeite ich als freier Luftfahrtjournalist. In den letzten drei Jahrzehnten wurden über 90 Artikel und Reisereportagen in deutsch- und englischsprachigen Fachmagazinen von mir publiziert. Schwerpunkt sind dabei kleinere Airlines in exotischen Ländern, welche bei uns unbekannt sind. Zudem bin ich Mitglied der deutschen Sektion von MAF, einem christlichen Flugdienst, der rund 120 Kleinflugzeuge in 27 Staaten betreibt. Zwecks Erstellung von Fotoreportagen über unsere MAF-Projekte führten mich Reisen nach Amazonien, Angola, Bangladesch, Lesotho, Madagaskar, Mosambik, Mongolei, Neuguinea, Osttimor, Suriname und Uganda. Alles geschah auf eigene Kosten in meiner Freizeit, verwendet wird ausschließlich selbst erstelltes Fotomaterial.

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