Homepage » Aero-Kultur » Ein(e) Superstar in Paderborn

Seit Ende Februar steht die Lockheed Starliner L-1649A in einem Hangar des ostwestfälischen Flughafens – zerlegt in ihre Einzelteile. Was damit geschehen soll, ist unklar. Die Lufthansa gibt sich bedeckt.

12.06.2021

Die Lockheed L-1649 Superstar wurde im Februar 2021 auf einem Spezialtransporter von Bremen nach Paderborn transportiert. © Jan Frieben

Der Flughafen Paderborn/Lippstadt wird immer mehr zur Heimat berühmter Flugzeug-Oldtimer. Und das liegt nicht nur an den „Quaxen”, jenem „Verein zur Förderung von historischem Fluggerät”, der dort sein Zuhause hat. Es ist vielmehr auch die Lufthansa, die dafür verantwortlich zeichnet: Nach der legendären Tante Ju, deren Halterschaft die Quaxe im vergangenen Jahr übernommen haben, steht seit Ende Februar auch die gute alte Lockheed L-1649A Starliner in einem Paderborner Hangar. Besichtigt werden soll sie allerdings nicht, auch nicht von Journalisten: „Die Star ist professionell eingelagert und gestaut. Vom Rumpf oder von den Flügeln ist kaum etwas zu sehen, das befindet sich alles hinter großen Holzkisten. Und davor ist noch ein Bauzaun mit Sichtschutz. Insgesamt also nichts fürs Auge”, erteilt Wolfgang Servay, Sprecher der Deutschen Lufthansa Berlin Stiftung, einer entsprechenden Anfrage eine Absage.

Die Lufthansa hat die Überführung im Februar nicht an die große Glocke hängen wollen: Alles hatte sich im wahrsten Sinne des Wortes in einer Nacht-und-Nebel-Aktion abgespielt – der Umzug des Flugzeugrumpfs auf einem Spezialtransporter von Bremen nach Paderborn, und einige Tage später auch der Transport weiterer Teile.

Endgültiger Standort ist noch unklar

Werner Knorr und Sebastian Reichel von der Deutschen Lufthansa Berlin-Stiftung hatten erklärt: „Am Ende ist die Entscheidung einmal mehr für Paderborn gefallen. Diesmal aber nicht für den Quax-Verein, dem wir die Halterschaft für unsere Ju 52, Me 108 und Do 27 übertragen haben. Vielmehr ist die Entscheidung zugunsten des Flughafens Paderborn gefallen, der über hinreichend freie Hallenkapazität verfügt.” Ein Zustand, der der Geschäftsführung des in wirtschaftliche Turbulenzen geratenen Flughafens wohl weniger gefallen dürfte, aber das nur am Rande.

Die Lockheed L-1649A Starliner hat eine bewegte Geschichte hinter sich: Die deutsche „Lufthansa Super Star gGmbH” war bis 2018 rund zehn Jahre lang in Auburn im US-Bundesstaat Maine damit beschäftigt, das historische Flugzeug flugfähig zu machen. Nach der erforderlichen Zulassung sollte der technisch aufgerüstete Klassiker, wie seine Vorgänger, wieder Luxusreisen zwischen Europa und Nordamerika ermöglichen – im Retro-Stil. Das ambitionierte Projekt scheiterte letztlich am zu großen technischen Aufwand und den damit verbundenen Kosten: Stolze 150 Millionen Euro waren bis zum Abbruch der Reparaturarbeiten bereits geflossen.

Die nur teilrestaurierte Maschine kam dann im Herbst 2019 auf dem Seeweg nach Bremen, wo sie zunächst zerlegt in einem Hafengebäude eingelagert wurde. Das war nicht optimal, im feuchten Klima drohte Korrosion. Deshalb zog die Maschine im Februar 2021 erneut um – an den Flughafen Paderborn. Der Oldtimer soll aber auch dort nicht wieder zusammengebaut werden. Wie lange die Maschine überhaupt in Ostwestfalen stehen soll und wo sie vielleicht endgültig ausgestellt wird, ist dem Vernehmen nach noch ungewiss. Ein Stiftungssprecher: „Wenn Corona nicht wäre, hätten wir schon längst ein Konzept.“  Jetzt aber soll zunächst die Pandemie abgewartet werden.

Meiko Haselhorst

 

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Über Meiko Haselhorst

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Meiko Haselhorst (46) wollte als Kind immer Pilot werden. Doch es kam anders: Er wurde Tischler, später Redakteur einer Tageszeitung – und arbeitet heute als freiberuflicher Journalist. Seine immer noch vorhandene Leidenschaft für Flugzege und fürs Fliegen lebt der zweifache Vater zuweilen auf Reisen und an der Tastatur aus.

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