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Schweizer Verband fordert wieder nationale Pilotenlizenz

Wenn es nach der Swiss Helicopter Association (SHA) geht, wird es künftig eine nationale schweizerische Lizenz für Berufspiloten geben, damit diese ohne Einschränkungen bis zu einem Alter von 65 Jahren kommerziell fliegen dürfen und nicht – wie mit einer EASA-Lizenz – nur bis zu einem Alter von 60.

17.02.2021

Die Schweizer Helikopterbetreiber unterstützen die Forderung nach einer nationalen Lizenz für Berufspiloten. © Air Zermatt

Die Frage, bis zu einem welchen Lebensalter Piloten gewerblich fliegen dürfen, ist international umstritten. In den EASA-Staaten gilt grundsätzlich, dass Luftfahrzeugführer nach Erreichen des 60. Lebensjahres nicht mehr kommerziell fliegen dürfen, es sei denn, sie sind Teil einer mehrköpfigen Besatzung, bei der alle anderen Crewmitglieder noch keine 60 Jahre alt sind. Ab 65 Jahren ist ihnen diese Tätigkeit auch nicht mehr möglich, wohl dürfen sie aber dann noch Ferryflüge durchführen oder als Fluglehrer oder Prüfer tätig sein. Der Europäische Gerichtshof hatte im Juli 2017 diese Regelungen bestätigt, allerdings in einem Arbeitsrechtsverfahren.

Um politischen Druck auf die Europäische Kommission und die Agentur für Flugsicherheit der Europäischen Union (EASA) aufzubauen, hat der Ausschuss für Verkehr und Fernmeldewesen des Schweizer Nationalrates nun die Schaffung einer nationalen eidgenössischen Lizenz für Berufspiloten gefordert. Die Swiss Helicopter Association (SHA) unterstützt diese Forderung für einen Swixit bei den Pilotenlizenzen. Sie will die Regeln der EASA für Berufspiloten nicht länger akzeptieren und fordert stattdessen die Schaffung einer neuen, nationalen Schweizer Berufspilotenlizenz. Diese solle nach Angaben der SHA auf dem Territorium der Schweiz gültig sein und es Berufspiloten erlauben, bis zum Alter von 65 Jahren kommerzielle Flüge durchzuführen, wenn sie die entsprechenden medizinischen und fliegerischen Voraussetzungen erfüllen.

„Alterslimit ist ein De-facto-Berufsverbot“

SHA-Präsident Martin Candinas – der selber auch Nationalrat ist – begründete die Forderung: „Die EASA-Bestimmung bedeutet für viele der erfahrensten Helikopterpiloten der Schweiz ein Berufsverbot, da sie durch ihre Arbeitgeber nicht mehr für das gesamte Aufgabenspektrum eingesetzt werden dürfen. Das ist diskriminierend und lässt sich nicht nachvollziehen. Obwohl sogar die EASA selber die Bestimmung als überholt betrachtet und das Parlament dem Bund bereits vor mehr als vier Jahren den klaren Auftrag gegeben hat, die willkürliche Altersgrenze abzuschaffen, hält das Bundesamt an dem De-facto-Berufsverbot fest.“

Die Kommission für Verkehr und Fernmeldewesen des Schweizer Nationalrats (KVF-N) hat am 16. Februar 2021 ohne Gegenstimme eine Kommissionsmotion verabschiedet, welche die Schaffung einer nationalen Berufspilotenlizenz verlangt. Sie soll die Alterslimite auf 65 Jahre festlegen. „Mehrere Studien haben nachgewiesen, dass Pilot/innen über 60 kein Sicherheitsrisiko darstellen, wenn sie die medizinischen und fliegerischen Prüfungen bestehen.“ Es gebe keinen vernünftigen Grund, sie an der Ausübung ihres Berufs zu hindern, sagte SHA-Präsident Candinas.

Volker K. Thomalla

 

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Über Volker K. Thomalla

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Volker K. Thomalla ist Chefredakteur von aerobuzz.de. Er berichtet seit über 30 Jahren als Journalist über die Luft- und Raumfahrt. Von 1995 bis 2016 leitete er als Chefredakteur die Redaktion aerokurier, von 2000 bis 2016 zusätzlich die Redaktionen FLUG REVUE und Klassiker der Luftfahrt. Thomalla ist seit 2016 Chefredakteur des englischsprachigen Business-Aviation-Magazins BART International. Er hat mehrere Bücher über die Luftfahrt geschrieben und als Privatpilot auch praktische Flugerfahrung gesammelt.

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