Die Erprobung des Airbus Helicopters H160M Guépard für die französischen Streitkräfte macht deutliche Fortschritte. Nachdem der erste Prototyp im Juli 2025 zu seinem Erstflug gestartet war – AeroBuzz hatte darüber berichtet –, folgte der zweite Prototyp im Sommer dieses Jahres. Der dritte und finale H160M-Prototyp steht derzeit in der Endmontage in Marignane in Südfrankreich. Dieser Prototyp ist die erste H160M in einer Marine-Konfiguration , sagte Vincent Chenot, der Leiter des H160M-Programms bei Airbus Helicopters, bei einem Pressebriefing in Marignane.
Der erste Prototyp hat bereits 114 Flugstunden absolviert. Er wird vor allem für die Tests der Systeme und der Bewaffnung genutzt. „Wir haben bislang nur einige Anpassungen machen müssen, nichts Großes und wir mussten auch keine bedeutenden Änderungen an der Konstruktion des Hubschraubers vornehmen“, berichtete Chenot.
Ein Jahr nach dem Erstflug des ersten Prototyps der H160M ist auch der zweite Prototyp in Marignane geflogen und bildet die Testflotte für die Flugerprobung. © Airbus Helicopters / Dephine Prevot
Der zweite Prototyp kommt derzeit auf 25 Flugstunden, er fliege aber fast täglich. Der Fokus der Tests mit diesem Hubschrauber liegt auf den Flugeigenschaften in großen Höhen und bei hohen und extrem niedrigen Temperaturen. Außerdem dient er für Messungen von Vibrationen und Geräuschemissionen . Außerdem wird Airbus mit ihm den mechanischen Ausfall von verschiedenen Komponenten erproben.
1.900 Schuss und 128 Flares verschossen
Im Juni dieses Jahres wurde am ersten H160M-Prototyp erstmalig während einer dreiwöchigen Testkampagne die Bewaffnung getestet. Die Kampagne fand in Cazaux an der französischen Atlantikküste statt. Während der Tests gab die Crew 1.900 Schuss aus einem Bord-Maschinengewehr ab und stieß 128 Flares aus. Bei den Tests wurde sowohl mit geöffneten als auch mit geschlossenen Seitentüren geflogen.
Chenot sagte: „Die Kampgane diente drei Zielen: erstens der Sicherheit der Bewaffnung und der Messung der Toxizität der ausgestoßenen Gase, denn wir müssen auch an die Sicherheit der Besatzung denken. Zweitens diente sie der Überprüfung der Bewaffnung, der Waffensysteme und der Avionik und drittes der Prüfung der so genannten Blast Effects, also die durch die Schüsse ausgelösten Vibrationen und ob ein spezielles Verhalten des Hubschraubers bei der Schussabgabe auftritt.“
Der Einsatz von scharfen Waffen wurde bei der H160M sowohl mit geöffneten als auch mit geschlossenen Seitentüren getestet. © Airbus Helicopters
Die nächste Testkampagne mit scharfem Schuss ist für den November 2026 geplant. Im Januar 2026 sollen auch die ersten Tests zur Resilienz der H160M gegenüber elektromagnetioschen Einflüssen in Zusammenarbeit mit der französischen Marine getestet werden.
Die H160M Guépard wird im Rahmen des Programms HIL (Hélicoptère Interarmées Léger) für die französischen Streitkräfte entwickelt. Das französische Verteidigungsministerium hatte im Mai 2019 angekündigt, bis zu 169 Exemplare des Musters für alle Teilstreitkräfte der französischen Streitkräfte beschaffen zu wollen. Die Marine soll 49 Exemplare erhalten, die Armée de l’air et de l’espace 40 und das Heer 80 Exemplare. Airbus Helicopters will 2028 die erste H160M an die französischen Luftstreitkräfte liefern, 2029 die ersten H160M an die Marine Nationale und 2032 die erste H160M Guépard an das französische Heer.
Nur zwei Piloten als Crew
Die H160M für die Heeresflieger als auch für die französischen Luftstreitkräfte werden standardmäßig nur über eine aus zwei Piloten bestehende Crew verfügen, die auch die Waffen aus dem Cockpit heraus bedienen. Eine optimierte Mann-Maschiunen-Schnittstelle sowie eine entsprechende Automation sollen die Arbeitsbelastung der beiden Crewmitglieder niedrig halten. Ein drittes Besatzungsmitglied, welches die Lagebeurteilt und die Waffen bedient, soll dank der integrierten Systeme nicht notwendig sein. „Wir wollen die Bedienung so einfach wie möglich machen“, sagte Chenot.
Die H160M wird auch nach ihrer Indienststellung weitere Fähigkeiten in Form von weiterer Bewaffnung und anderen Systemen erhalten. So ist beispielsweise bereits die Zusammenarbeit des Hubschraubers mit Drohnen. in den Systemen fest geplant. „Wir haben die weitere Evolution bereits in den Hubschrauber integriert“, so Chenot.
Volker K. Thomalla
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