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Aurora hat die Auslegung des Liberty Lifter massiv geändert

Um große und schwere Lasten und/oder viel Personal in kurzer Zeit zu verlegen, arbeitet die US-Rüstungsforschungsargentur DARPA zusammen mit Aurora Flight Sciences und anderen Firmen an einem Bodeneffektgerät. Das Projekt ist nun in einer neuen Phase. Dabei wurde die ursprüngliche Auslegung deutlich verändert.

29.01.2024

Aurora Flight Sciences hat die Auslegung des Bodeneffektgeräts Liberty Lifter radikal geändert. © Aurora Flight Sciences

Die Boeing-Tochter Aurora Flight Sciences arbeitet im Auftrag und in Zusammenarbeit mit der Rüstungsforschungsagentur DARPA (Defense Advanced Research Projects) an einem Schwerlast-Bodeneffektgerät namens Liberty Lifter, das als X-Flugzeug erprobt werden soll. Mit dem Fluggerät soll Material und Personal über große Distanzen verlegt werden. Jetzt befindet sich das 2022 gestartete Projekt in der so genannten Phase 1B, in der die Auslegung der Fluggeräts im Vergleich zu den Ausgangsentwürfen sehr deutlich geändert wurde.

Die aktuelle Auslegung sieht nur noch einen Rumpf vor. Bislang waren zwei Rümpfe vorgesehen. Statt zehn Motoren soll die aktuelle Version des Liberty Lifters mit acht Motoren an der Unterseite der Tragflächen auskommen. Der erste Entwurf hatte zehn Motoren in Pusher-Konfiguration auf Pylonen an der Rückseite der Tragflächen vorgesehen. Auch das Leitwerk ist neu. Die neue Leitwerks-Konfiguration nennt Aurora Flight Science Pi-Tail, weil es an den griechischen Buchstaben Pi erinnert.

Der Liberty Lifter soll im Notfall auch richtig fliegen können. Bisher realisierte Bodeneffektgeräte – unter anderem die sowjetischen Ekranoplans, die im Westen als „Kaspische Seeungeheuer“ bekannt wurden – konnten nur im Bodeneffekt und damit in geringer Höhe fliegen. Liberty Lifter soll bis in 10.000 Fuß Höhe fliegen können.

Derzeit finden bereits Tests von verschiedenen Komponenten statt, so testet die Hochschule VirginiaTech in Kooperation mit einer Werft aus Oregon beispielsweise die Rumpfform des Fluggeräts. Auch testen Ingenieure gerade die Flugsteuerung, die mit Sensoren und Software zur Wellenerkennung und -vorhersage ausgestattet ist, damit Liberty Lifter sicher auch bei hohem Wellengang im Bodeneffekt fliegen können. Die verschiedenen Tests dienen der Risiko-Minimierung.

Geringeres Risiko durch frühes Testen

Dan Campbell, der Programm-Manager für den Liberty Lifter bei Aurora Flight Sciences, sagte: „Innovationen entstehen oft an Kreuzungspunkten. In diesem Fall ist es die Schnittstelle zwischen unseren maritimen und luft- und raumfahrttechnischen Teams. Zum Beispiel die Überschneidung der maritimen Fertigung mit dem Strukturdesign der Luft- und Raumfahrt oder die Überschneidung der maritimen Wellenvorhersage mit der Steuerung aus der Luft- und Raumfahrt.“

Der Projektfahrplan sieht das Ende der Phase 1B für den Januar 2025 vor. Dann soll auch eine kritische Entwurfsüberprüfung (Critical Design Review) abgeschlossen sein. Wenn das Programm dann Grünes Licht für eine Fortführung erhält, könnte ein Erstflug eines X-Flugzeugs Liberty Lifter schon 2028 erfolgen.

Volker K. Thomalla

 

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Über Volker K. Thomalla

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Volker K. Thomalla ist Chefredakteur von aerobuzz.de. Er wurde 2021 mit dem Aerospace Media Award (Kategorie Business Aviation) ausgezeichnet. Er berichtet seit 40 Jahren als Journalist über die Luft- und Raumfahrt. Von 1995 bis 2016 leitete er als Chefredakteur die Redaktion aerokurier, von 2000 bis 2016 zusätzlich die Redaktionen FLUG REVUE und Klassiker der Luftfahrt. Thomalla war zwischen 2016 und 2020 Chefredakteur des englischsprachigen Business-Aviation-Magazins BART International. Er hat mehrere Bücher über die Luftfahrt geschrieben und als Privatpilot auch praktische Flugerfahrung gesammelt.

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