Homepage » Luftverkehr » ATR und BRA wollen die Zulassung von SAF beschleunigen

ATR und BRA wollen die Zulassung von SAF beschleunigen

Braathens Regional Airlines (BRA), Neste und ATR machen Druck, um die Nutzung von 100 Prozent nachhaltig produzierten Treibstoffes für Flugzeuge zu zertifizieren. Sie investieren dazu auch in Testflüge, die im nächsten Jahr beginnen werden. 

17.09.2021

BRA, ATR und Neste wollen, dass künftig 100 Prozent SAF als Treibstoff genutzt werden darf. © ATR

Die schwedische Regionalfluggesellschaft Braathens Regional Airlines (BRA), der Flugzeughersteller ATR und der finnische Treibstoffhersteller Neste haben gestern eine Vereinbarung unterzeichnet, nach der sie die Zulassung der Nutzung von 100 Prozent des nachhaltig produzierten Treibstoffs SAF (Sustainable Aviation Fuel) in Flugzeugen beschleunigen wollen. Mit Testflügen unter realen Bedingungen wollen sie die problemlose Nutzung von SAF nachweisen. Einen ersten Testflug haben die drei Vertragspartner bereits für das erste Quartal 2022 geplant. Dabei werden sie eine Propellerturbine einer ATR von BRA ausschließlich mit 100 Prozent SAF im Flug versorgen, die andere soll ein Gemisch aus 50 Prozent SAF und konventionellem Kerosin aus fossilen Quellen verbrennen. 

Ulrika Matsgård, die Hauptgeschäftsführerin (CEO) von BRA, sagte anlässlich der Vertragsunterzeichnung: „Wir haben uns hohe Ziele gesetzt, sind gerade dabei, die Roadmap zu definieren, um als eine der ersten Fluggesellschaften der Welt Netto-Null zu erreichen, und unser Zieljahr ist 2030. Für die Zukunft der Luftfahrt ist es absolut entscheidend, dass wir unseren Klima-Fußabdruck reduzieren. Hier können wir Vorbild sein und das Leadertrikot anziehen.“

80 Prozent weniger CO2-Ausstoß

Im Vergleich zu fossilem Treibstoff reduziert die Nutzung von SAF den CO2-Ausstoß während der Lebensdauer des Treibstoffs um bis zu 80 Prozent. Derzeit ist von den Luftfahrtbehörden eine maximale Beimischung von 50 Prozent SAF zugelassen. Es hat aber bereits mehrere Testflüge gegeben, auf denen die Flugzeuge mit Ausnahmegenehmigung mit 100 Prozent SAF in den Tanks geflogen sind. Unter anderem ist Boeing mit einer 777F im Rahmen seines ecoDemonstrator-Programms schon 2018 mit 100 Prozent SAF geflogen, und auch die schwedischen Luftstreitkräfte haben eine JAS-39 Gripen mit reinem SAF betrieben. 

Derzeit ist SAF nach Angaben von BRA aber vier bis fünf Mal so teuer wie Treibstoff aus fossilen Quellen. SAF ist auch nur eingeschränkt verfügbar. Nach Angaben von Neste hätte die weltweite SAF-Produktion im vergangenen Jahr nicht einmal ausgereicht, um den Bedarf von Schweden zu decken. In den kommenden Jahren wird die Produktion aber massiv steigern, so investiert beispielsweise Neste massiv in den Aufbau neuer Produktionskapazitäten. 

Stefano Bortoli, der Hauptgeschäftsführer (CEO) von ATR, sagte: „Wir sehen die Airline BRA als den perfekten Partner, um dieses Projekt zu realisieren. Sie sind ein Unternehmen, das sich engagiert und für einen nachhaltigeren Flug einsetzt. Sie verschieben die Grenzen. BRA hat sich in der Vergangenheit als erste Fluggesellschaften, die Änderungen vornehmen, um den Klimafußabdruck ihrer Flüge zu reduzieren, als beständiger Anbieter erwiesen. Sie waren nicht nur Teil des weltweit ersten Deals für ein umweltfreundliches Flugzeug mit uns, sondern waren auch die erste Fluggesellschaft, die ihren Passagieren die Auswahl an Bio-Flugkraftstoff in ihrem Buchungssystem anbot. Wir sind stolz darauf, mit BRA auch beim nächsten Schritt auf ihrer Reise zu sein.“

Volker K. Thomalla

 

Folgen Sie uns auf Twitter
Liken Sie uns auf Facebook

 

Schon gelesen?

BRA testet Biofuel mit der ATR 72-600

Neste liefert Biofuel per Pipeline zum Airport in San Francisco

Finnair wird ihre Jets mit mehr Biofuel von Neste betanken

 

Über Volker K. Thomalla

zum Aerobuzz.de
Volker K. Thomalla ist Chefredakteur von aerobuzz.de. Er wurde 2021 mit dem Aerospace Media Award (Kategorie Business Aviation) ausgezeichnet. Er berichtet seit über 35 Jahren als Journalist über die Luft- und Raumfahrt. Von 1995 bis 2016 leitete er als Chefredakteur die Redaktion aerokurier, von 2000 bis 2016 zusätzlich die Redaktionen FLUG REVUE und Klassiker der Luftfahrt. Thomalla war zwischen 2016 und 2020 Chefredakteur des englischsprachigen Business-Aviation-Magazins BART International. Er hat mehrere Bücher über die Luftfahrt geschrieben und als Privatpilot auch praktische Flugerfahrung gesammelt.

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.

Diese Website verwendet Akismet, um Spam zu reduzieren. Erfahre mehr darüber, wie deine Kommentardaten verarbeitet werden.