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Falcons aus Paderborn stellten Impfstoff-Luftbrücke in Frankreich sicher

Die schnelle Verteilung der temperatursensitiven Impfstoffe gegen das Coronavirus war eine logistische Meisterleistung für alle Regierungen weltweit. Im ersten Halbjahr dieses Jahres konnte die Distribution in einigen Regionen nur mit Hilfe von Geschäftsreisejets sichergestellt werden. Bertelsmann Aviation war mit seinen Falcon 2000LXS bei der Impfstoff-Luftbrücke in Frankreich ein gefragter und geschätzter Partner.

28.08.2021

Im Hangar in Le Bourget wurden die Impfstoffe in die Falcon 2000LXS verladen. © Dassault Aviation

Die Business Aviation hat während der Pandemie gezeigt, wie wertvoll sie für die Gesellschaft ist. Sie hat nicht nur wichtige Verbindungen für Geschäfts- und Privatreisende sowie für Diplomaten auf dem Luftweg aufrechterhalten, sondern auch humanitäre Flüge in großem Maße durchgeführt. Auf diesen Flügen verlegten die Geschäftsreiseflugzeuge nicht nur beatmete COVID-19-Patienten von übervollen Krankenhäusern in Regionen, wo die Hospitäler nicht an ihrer Belastungsgrenze arbeiteten, sondern brachten auch medizinisches Personal dorthin, wo es dringend benötigt wurde.

Nachdem im Dezember 2020 die ersten Impfstoffe gegen das Coronavirus zugelassen waren, stellte die schnelle und weltweite Verteilung dieser Impfstoffe eine große Herausforderung dar. Bei deren Bewältigung war in einigen Fällen wieder die Geschäftsluftfahrt gefragt, denn nur sie konnte mit ihren Abläufen den schnellen und effizienten Transport dieser wertvollen Fracht garantieren.

Impfstoff-Luftbrücke

Bertelsmann Aviation vom Flughafen Paderborn-Lippstadt spielte in den ersten Monaten dieses Jahres bei der Distribution des Impfstoffes in Frankreich eine wichtige Rolle. Die Bertelsmann-Tochter Arvato Healthcare ist mit Supply Chain-Lösungen für die Pharmaindustrie in ganz Europa vertreten, unter anderem auch in Frankreich, wo sie in der Region Ile-de-France, also in der Nähe von Paris, auch ein Lagerhaus für temperatursensitive Medikamente betreibt. Die französischen Behörden fragten Ende Dezember an, ob das Unternehmen in der Lage sei, tiefgekühlte Impfstoffe in bestimmte Regionen in Frankreich zu transportieren. Dadurch kam Bertelsmann Aviation ins Spiel, die zwei Business Jets des Typs Falcon 2000LXS betreibt.

Marcus Brunninger, der Geschäftsführer von Bertelsmann Aviation – und ausgewiesener Frankreich-Kenner – lud alle Beteiligten, inklusive der französischen Behörden, der Flugplätze und der Flugsicherung, zu einem Treffen, um die Vorgehensweise bei den Transporten zu besprechen und festzulegen. Zwischen dem Zeitpunkt der Abfahrt des Tiefkühltransporters aus dem Lager und der Ankunft am Zielort des Impfstoffes durften nie mehr als zehn Stunden vergehen, lautete die Maxime. Ansonsten wäre der Impfstoff nicht mehr zu gebrauchen. Auf diesem Meeting einigten sich alle Beteiligten auf eine abgestimmte Vorgehensweise.

Bertelsmann positionierte immer eine Falcon 2000LXS am Flughafen Le Bourget vor den Toren von Paris beim FBO des Herstellers Dassault Aviation, auch, um bei Bedarf den schnellsten technischen Support zu bekommen.

Geflogen wurde hauptsächlich in der Nacht

Mit Polizeibegleitung trafen die Kartons mit dem tiefgekühlten Impfstoff nachts in Le Bourget ein und wurden sofort in die Falcon verladen, die in Windeseile zu ihrem ersten Stopp in Bordeaux-Mérignac startete. Flugzeit: eine Stunde. Brunninger sagte im Gespräch mit Aerobuzz.de, dass man von der französischen Flugsicherung auf jedem Impfstoff-Flug Vorrang bekommen habe. „Wir flogen immer direkt und brauchten nie Kurven zu fliegen.“ In Bordeaux wurde die Falcon schon erwartet, die vorgesehenen Kartons entladen, so dass die Falcon nach kurzer Zeit – meist nach 30 Minuten – wieder starten konnte, um ihre nächste Destination anzusteuern. Von Bordeaux aus ging es regelmäßig weiter nach Bastia auf Korsika, was weitere 1,5 Stunden in Anspruch nahm. Auch dort  war immer alles für einen schnellen Turn-around vorbereitet, so dass sie Crews das letzte Leg der Impfstoffflüge nach Ajaccio ohne Zeitverzug antreten konnte.

Die Dassault Falcon 2000LXS hat eine Reichweite von 4.000 nautischen Meilen (7.410 Kilometer). © Dassault Aviation

Aufgrund der großen Reichweite der Falcon LXS von 4.000 nautischen Meilen (7.410 Kilometer) musste auf keinem der Zwischenstopps getankt werden, und die Vakzine erreichten ihre Empfänger innerhalb des vorgegebenen Zeitrahmens. Ajaccio zeigte sich aber nicht immer von der besten Seite, sondern begrüßte die Falcon häufig mit dichtem Nebel, was aber für die avionkseitig gut ausgerüstete Falcon auch kein Hindernis darstellte. Brunninger berichtet, dass nicht ein einziger Flug für die Impfstoff-Luftbrücke zu spät kam oder nicht angetreten werden konnte. Insgesamt hat Bertelsmann Aviation im ersten Halbjahr dieses Jahres über 100 Flüge in Frankreich für die Impfstoff-Distribution absolviert und somit einen beeindruckenden Beitrag bei der Bekämpfung der COVID-19-Pandemie geleistet.

Volker K. Thomalla

 

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Über Volker K. Thomalla

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Volker K. Thomalla ist Chefredakteur von aerobuzz.de. Er wurde 2021 mit dem Aerospace Media Award (Kategorie Business Aviation) ausgezeichnet. Er berichtet seit über 35 Jahren als Journalist über die Luft- und Raumfahrt. Von 1995 bis 2016 leitete er als Chefredakteur die Redaktion aerokurier, von 2000 bis 2016 zusätzlich die Redaktionen FLUG REVUE und Klassiker der Luftfahrt. Thomalla war zwischen 2016 und 2020 Chefredakteur des englischsprachigen Business-Aviation-Magazins BART International. Er hat mehrere Bücher über die Luftfahrt geschrieben und als Privatpilot auch praktische Flugerfahrung gesammelt.

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