Homepage » Industrie » Die Flugerprobung der X-59 QueSST nimmt Fahrt auf

Nach einem langsamen Start der Flugtests geht es beim X-59-Programm der NASA nun Schlag auf Schlag. Die Testcrews erweitern bei jedem Flug den Flugbereich und arbeiten auf den Zeitpunkt hin, an dem das Experimentalflugzeug erstmalig schneller als der Schall fliegt.

30.04.2026

Auf ihren ersten neun Flügen hat das Experimentalflugzeug X-59 QueSST der NASA fast zwölf Stunden in der Luft verbracht. © NASA

Die X-59 QueSST, ein Überschall-Experimentalflugzeug, welches Lockheed Martin im Auftrag der NASA gebaut hat, absolvierte seinen Erstflug Ende Oktober 2025 von der Edwards Air Force Base in Kalifornien aus. Danach dauerte es rund fünf Monate, bis das Flugzeug nach eingehenden Inspektionen nach dem Jungfernflug, zum zweiten Flug startete. Doch eine aufleuchtende Warnlampe im Cockpit veranlasste den Testpiloten, das unkonventionelle Flugzeug schon nach sieben Minuten wieder zu landen.

Nach diesem langsamen und etwas holprigen Start des Flugerprobungsprogramms läuft es nun deutlich besser, berichtet Lockheed Martin. Bis zum 28. April hatte die X-59 bereits zehn Testflüge absolviert und dabei eine Gesamtflugzeit von 11,7 Stunden gesammelt. Der Flugbereich der X-59 konnte auf diesen Flügen schon weit geöffnet werden. Als Höchstgeschwindigkeit waren bereits Mach 0.95 erreicht und die größte Höhe, in der das Flugzeug geflogen war, lag bei 43.000 Fuß (13.106 Meter).

Die X-59 kratzt schon an der Schallmauer

Pat LeBeau, der X-59-Programm-Manager bei der Lockheed-Martin-Innovationsschmiede Skunk Works, sagte: „Jeder Flug und jeder Testpunkt ist ein Schritt hin zu einer Zukunft, in der Städte in einem Bruchteil der heutigen Reisezeit verbunden werden können, ohne die Lärmbelästigung, die die ursprüngliche Überschallära eingeschränkt hat.“

Die X-59 ist dafür ausgelegt, mit Überschallgeschwindigkeit zu fliegen und aufgrund ihrer besonderen Formgebung mit dem sehr langen Bug keinen Überschallknall am Boden mehr zu erzeugen. Stattdessen soll am Boden beim Überflug der X-59 lediglich ein dumpfes Geräusch ähnlich dem einer zugeschlagenen Autotür wahrzunehmen sein.

Die X-59 QueSST soll in Höhen von bis zu 55.000 Fuß (16.764 Meter) fliegen und im Reiseflug Mach 1.4 erreichen. Die NASA wird die Daten des QueSST-Programms der US-Luftfahrtbehörde FAA vorlegen, um eine Änderung der Gesetzgebung zu erreichen, damit künftig auch Überschallflüge über Land in den Vereinigten Staaten auch für zivile Flugzeuge möglich sein werden.

2026 feiern die USA den 250. Jahrestag der Unterzeichnung der Unabhängigkeitserklärung. Aus diesem Grund wurde ein Logo Freedom 250 auf dem Lufteinlauf der X-59 der NASA angebracht. © NASA / Carla Thomas

Da die Vereinigten Staaten am 4. Juli 2026 den 250. Jahrestag der Unterzeichnung der Unabhängigkeitserklärung feiern, wurde auf dem Lufteinlass des Triebwerks auf dem Rumpfrücken der X-59 ein Logo mit 13 Sternen – sie repräsentieren die Delegationen der 13 Kolonien, die die Unabhängigkeitserklärung 1776 unterschrieben – angebracht.

Volker K. Thomalla

 

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Über Volker K. Thomalla

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Volker K. Thomalla ist Chefredakteur von aerobuzz.de. Er wurde 2021 mit dem Aerospace Media Award (Kategorie Business Aviation) ausgezeichnet. Er berichtet seit 40 Jahren als Journalist über die Luft- und Raumfahrt. Von 1995 bis 2016 leitete er als Chefredakteur die Redaktion aerokurier, von 2000 bis 2016 zusätzlich die Redaktionen FLUG REVUE und Klassiker der Luftfahrt. Thomalla war zwischen 2016 und 2020 Chefredakteur des englischsprachigen Business-Aviation-Magazins BART International. Er hat mehrere Bücher über die Luftfahrt geschrieben und als Privatpilot auch praktische Flugerfahrung gesammelt.

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