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Der Landkreis Harz beschafft ein eigenes Löschflugzeug

Das Beispiel könnte Schule machen. Angesichts der Wald- und Flächenbrände am Brocken im August dieses Jahres hat der Landkreis Harz nun beschlossen, ein eigenes Löschflugzeug zu beschaffen. Der Brand in dem Mittelgebirge konnte mit Hilfe von zwei CL-415T-Löschflugzeugen aus Italien erfolgreich gelöscht werden.

22.09.2022

Der Landkreis Harz in Sachsen-Anhalt hat sich entschlossen, ein eigenes Löschflugzeug anzuschaffen. © Air Tractor

Löschflugzeuge sind in vielen europäischen Ländern ein wichtiges Werkzeug der Feuerwehren, um Flächen- und Waldbrände schnell einzudämmen und zu löschen. In Deutschland ist ihr Einsatz selbst bei großen Bränden dagegen sehr selten, da die lokalen Feuerwehren sie nicht anfordern. Stattdessen fliegen Hubschrauber von Bundeswehr und der Polizei mit Löschmittelbehältern Wasser zu den Bränden und helfen bei den Löscharbeiten.

Die Gründe, warum fast nie Löschflugzeuge aus dem europäischen Zivilschutzpool rescEU angefordert werden, sind vielfältig: Einerseits haben die lokalen Brandbekämpfer keine Erfahrungen der Zusammenarbeit mit Löschflugzeugen, andererseits wissen viele Entscheidungsträger nicht, wer die Kosten für die Einsätze übernimmt und scheuen sich deshalb davor, die wertvollen Einsatzmittel einzufordern. Dabei wird ein großer Teil der Einsatzkosten in den meisten Fällen aus dem EU-Haushalt bestritten.

Flugzeuge und Hubschrauber im Verbund

Flächenflugzeuge haben gegenüber Hubschraubern bei Löscheinsätzen mehrere Vorteile: Sie sind kostengünstiger im Betrieb, sie können mehr Löschmittel pro Flug transportieren als Hubschrauber und sie entwickeln keinen Rotorabwind, der Glutnester bei Waldbränden wieder anfachen kann. Ideal ist bei der Bekämpfung von Wald- und Flächenbränden die koordinierte Zusammenarbeit von Löschfahrzeugen, Löschflugzeugen und Hubschraubern.

Nach den Erfahrungen mit den Waldbränden in diesem Jahr – zuletzt im August am Brocken – hat der Kreistag des Landkreises Harz in seiner Sitzung am 21. September in Halberstadt in nicht-öffentlicher Sitzung den Grundsatzbeschluss gefasst, ein eigenes Löschflugzeug zu beschaffen. Beim großen Waldbrand im August am Brocken waren zwei Canadair CL-415T-Löschflugzeuge aus Italien zur Unterstützung gekommen und hatten vom Flughafen Braunschweig aus die Feuerwehren vor Ort unterstützt. Bei 60 Flugstunden hatten die italienischen Löschflugzeuge rund 775.000 Liter Wasser abgeworfen.

Kleinere Löschflugzeuge sind sehr effektiv bei der Brandbekämpfung in der Frühphase der Brände. © National Agricultural Aviation Association

Ein Dienstleister soll nach dem Willen des Landtags das Flugzeug betreiben. Die Löschmittelkapazität des Flugzeugs soll mindestens 2.000 Liter betragen. Damit kommt eigentlich nur ein Air Tractor 802F infrage, der pro Flug rund 3.000 Liter Löschmittel transportieren kann. Eine entsprechende Ausschreibung soll nun auf den Weg gebracht werden.

Volker K. Thomalla

 

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Über Volker K. Thomalla

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Volker K. Thomalla ist Chefredakteur von aerobuzz.de. Er wurde 2021 mit dem Aerospace Media Award (Kategorie Business Aviation) ausgezeichnet. Er berichtet seit über 35 Jahren als Journalist über die Luft- und Raumfahrt. Von 1995 bis 2016 leitete er als Chefredakteur die Redaktion aerokurier, von 2000 bis 2016 zusätzlich die Redaktionen FLUG REVUE und Klassiker der Luftfahrt. Thomalla war zwischen 2016 und 2020 Chefredakteur des englischsprachigen Business-Aviation-Magazins BART International. Er hat mehrere Bücher über die Luftfahrt geschrieben und als Privatpilot auch praktische Flugerfahrung gesammelt.

2 Kommentare

  • Randhahn-Schülke

    Sehr geehrter Herr Thomalla,
    vielen Dank für ihren spannenden Beitrag zur geplanten künftigen Nutzung eines Löschflugzeuges im Landkreis Harz.

    Die Grundsatzentscheidung fiel am 21. September allerdings auf der ersten Sitzung des Kreistages des Landkreises nach der Sommerpause – und nicht im Landtag.

    Mit freundlichen Grüßen

    Michael Randhahn-Schülke
    Landkreis Harz
    Dezernat Hauptverwaltung
    Stabsstelle Kommunikation
    Friedrich-Ebert-Straße 42
    38820 Halberstadt

    Telefon 03941/59 70 42 08
    Fax 03941/59 70 67 83
    E-Mail: pressestelle@kreis-hz.de
    Internet: http://www.kreis-hz.de

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