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Wir haben das neue Avionikpaket Garmin Axis schon getestet!

Das neue Avionik-Paket von Garmin ist ebenso revolutionär wie damals das G1000 und setzt neue Maßstäbe in der Allgemeinen Luftfahrt. Das neue Axis ist eine Kombination aus G1000 und G3X mit einer ordentlichen Portion G3000 PRIME. Wir haben es bei einem Flug über Kansas getestet, und das Ergebnis spricht für sich. Garmin hat einen Volltreffer gelandet!

8.07.2026

Mit Axis betritt Garmin das Zeitalter der vollständig integrierten Avionik für die Allgemeine Luftfahrt. Das System vereint die Funktionen mehrerer Garmin-Systeme zu einem einzigen, leistungsstarken Werkzeug zu einem attraktiven Preis. © Fabrice Morlon / AeroBuzz

Garmin hat gerade einen technologischen Sprung vollzogen, der ebenso bedeutend ist wie seinerzeit der des G1000, mit dem Glascockpits eine weite Verbreitung fanden. Das neue Avionik-Paket „Axis“ ist die größte Innovation, die der amerikanische Ausrüster seit 2003 für die Allgemeine Luftfahrt auf den Markt gebracht hat.

In den letzten 23 Jahren wurde das G1000 kontinuierlich weiterentwickelt und sogar für die Leicht- und Ultraleichtfliegerei angepasst, insbesondere mit dem G3X. Bei Axis ist es fast so, als hätte Garmin wieder ganz von vorne angefangen – oder zumindest fast. Ein unbeschriebenes Blatt, in dem sich im Hintergrund eine Kombination der ausgereiftesten Versionen des G1000, des G3X, des G500TXi und der GTN widerspiegelt.

Team X entwickelt die neuen Garmin-Produkte

„Viele Kunden hatten erwartet, dass wir ein G4X auf den Markt bringen würden, das eine Weiterentwicklung des G3X gewesen wäre. Axis ist jedoch etwas ganz anderes, weshalb ein einprägsamer Name nötig war“, erklärt Jim Alpiser, Vertriebsvorstand von Garmin, den wir in Olathe im US-Bundesstaat Kansas getroffen haben. „Axis steht auch für die Achse, die Richtung, in die es gehen soll. Schließlich ist das ,x’ ein direkter Verweis auf das ,Team X’ von Garmin, das experimentiert und neue Produkte sowie Funktionen entwickelt.

Es ist auch insofern eine Revolution, als Garmin ein neuartiges Produkt anbietet und eine neue Kategorie schafft: das integrierte Fluganzeigesystem, das ein vollständiges Glascockpit für ein- und zweimotorige Kolbenflugzeuge ermöglicht.“

Garmin hat AeroBuzz eingeladen, Axis vorab zu testen. Auf zum Garmin-Stammsitz in Olathe in Kansas, um die neuen Funktionen im Flug zu erkunden. Auf dem Flugplatz New Century AirCenter in Olathe (KIXD) verfügt Garmin über eine komplette Flugzeugflotte zum Testen seiner neuen Systeme, die von der Cessna 172 über zwei Beechcraft King Air 250 bis hin zum Geschäftsjet Cessna Citation CJ2 reicht.

Zusammen mit Jessica, einer der Testpilotinnen von Garmin, nehmen wir in der zweimotorigen Beechcraft Baron 58 Platz. Das Cockpit ist mit drei Axis-Bildschirmen ausgestattet: zwei 11,6-Zoll-Bildschirme für die primären Flugdaten und ein 8-Zoll-Bildschirm im Hochformat, der mittig zwischen den beiden Hauptbildschirmen installier wurde. Dieses vollständig konfigurierbare Multifunktionsdisplay ermöglicht den Zugriff auf Triebwerksdaten, die Anzeige eines Radars mit Verkehrsinformationen oder die Anzeige einer dynamischen Karte, ähnlich der in der Garmin Pilot-App.

Anlassen der Motoren: Der mittig angebrachte Bildschirm zeigt alle notwendigen Parameter. © Fabrice Morlon / AeroBuzz

Erste Feststellung: Ein Nutzer von Garmin-Produkten wird sich hier problemlos zurechtfinden. Das Gerät vereint sowohl die Philosophie des G3X Touch als auch die Funktionen des G1000. Der Zugriff auf Informationen und Menüs ist einfach, da diese logisch strukturiert sind. Ein Druck auf die COM- oder NAV-Frequenzen oder auf den Timer ruft eine Tastatur auf. Man gibt den Wert ein und bestätigt – das war’s. Axis vereint gewissermaßen die Benutzerfreundlichkeit und Intuitivität eines Smartphones mit der ganzen Leistungsfähigkeit eines modernen IFR-Avioniksystems.

Turbulenzen und Touchscreen? Kein Problem!

Die Ergonomie der Bildschirme orientiert sich an der des G3000 PRIME. Die robuste Bauweise des Bildschirms ermöglicht es, sich bei Turbulenzen darauf abzustützen. Der Rand ist dank der Touch-Funktionen, die die Tasten ersetzen, schlank gestaltet. Ein weiteres Erbe des G3X Touch. Es gibt nur noch zwei Drehregler für die Menüs und sechs Tasten für den Schnellzugriff auf Funktionen (MENU und BACK, die zweimal erscheinen, EMER und Direct TO). Zur Erinnerung: Das G1000, das ebenfalls eine echte Revolution darstellte, verfügt über 28 Tasten und 9 Drehregler.

Die Bildschirme können mehrere Seiten anzeigen, wie hier eine Moving Map und ein Höhendiagramm auf der rechten Seite. Ein Klick auf die Schaltfläche Full oben rechts, und schon kehrt man zur Vollbildansicht des Hauptfensters zurück. © Fabrice Morlon / AeroBuzz

Wie beim G3X lassen sich die Axis-Bildschirme teilen, um zwei Seiten gleichzeitig anzuzeigen. So kann ein Pilot beispielsweise auf dem MFD eine Leiste mit den Triebwerksparametern oder die gesamten Triebwerksdaten auf der Hälfte des Bildschirms anzeigen. Auf dem MFD kann der Pilot ebenso gut eine Moving Map anzeigen, wodurch ein einziger Bildschirm ausreicht.

Jessica startet die Motoren der Beech Baron und lässt die Triebwerksdaten auf dem zentralen Bildschirm anzeigen. Auf dem MFD liefert das E-SVT (Enhanced Synthetic Vision System) eine klare und hochauflösende Darstellung der Umgebung des Flugzeugs. Mit 3D Safe Taxi hat der Pilot während des Rollvorgangs eine detaillierte Darstellung der Rollwege, Gebäude, Haltepunkte und der Start- und Landebahn vor sich, sodass er sich mühelos orientieren kann.

Über Kansas ist es heiß, die Luftmasse ist turbulent. Das sind ideale Bedingungen, um Touchscreens zu testen! Die Ergonomie und das Design der Bildschirme sind vom G3000 PRIME übernommen. Der Bildschirm ist vollkommen flach und die Anzeige ist im Vergleich zum G3X größer. Der Bildschirmrand und die Schiene am unteren Rand bieten guten Halt, um den Bildschirm zu berühren. Mehrfach, sowohl auf der Moving Map als auch in den Menüs, hatten die plötzlichen Bewegungen keinen Einfluss auf die Anzeige, selbst wenn der Finger aufgrund von Turbulenzen abrutschte. Außerdem sind die Auswahltasten in den Menüs groß genug, um sie nicht zu verfehlen.

Die Funktion Runway Occupancy Awareness warnt Piloten vor einer Kollisionsgefahr mit einem anderen Flugzeug auf der Start- und Landebahn. Die visuelle Warnung wird auf der Moving Map, vor allem aber auf dem MFD im unteren Bereich des HSI angezeigt. Zudem ertönt ein akustischer Alarm. © Fabrice Morlon / AeroBuzz

Nachdem wir uns ein wenig mit diesem neuen Tool vertraut gemacht haben, nehmen wir Kurs auf den Flugplatz Lawrence (KLWC). Für die Vorführung wurde ein weiteres Flugzeug von Garmin in die Luft gebracht. Eine Beechcraft A36 Bonanza steht auf der Landebahn von Lawrence, während wir uns im Endanflug befinden. Während unser Flugzeug in Richtung der Landebahn sinkt, zeigt auf der Moving Map und auf dem HSI zunächst ein brauner Kreis die Anwesenheit eines Flugzeugs auf der Piste an. Sobald der Punkt dann gelb wird, ertönt ein akustischer Alarm. Im kurzen Endanflug ertönt ein akustischer Alarm und auf dem MFD wird ein roter Balken angezeigt. Es ist Zeit, wieder Gas zu geben. Wie SVT oder 3D Safe Taxi ist die ROA-Funktion (Runway Occupancy Awareness) serienmäßig verfügbar, ohne dass sie als Option hinzugebucht werden muss.

Smart Glide funktioniert auch mit Autopilot

Unterhalb des Bildschirms öffnet die EMER-Taste ein Menü mit mehreren Verknüpfungen zu Notfallfunktionen. Dazu gehört auch „Smart Glide“. Bei einem Triebwerksausfall sucht „Smart Glide“ einen Flugplatz in (Gleit-)Reichweite des Flugzeugs und kann es sogar mit dem Autopilot dorthin führen. Über die Schaltfläche „Level“ lassen sich die Tragflächen automatisch waagerecht ausrichten und in eine Neutralstellung bringen. Schließlich kann man in diesem Menü auf die Notfunkfrequenzen und den Transpondercode 7700 zugreifen.

Über die EMER-Taste kann man auf Schnellzugriffsfunktionen wie Smart Glide zugreifen. © Fabrice Morlon / AeroBuzz

Während bisher ein G3X Touch und ein GTN 650/750Xi erforderlich waren, integriert Axis nun beide Systeme – Anzeige und GPS-Navigation – in einem Gerät. Axis geht sogar noch einen Schritt weiter und integriert zudem Funktionen, die Nutzern der Garmin Pilot-App vertraut sein dürften. Ein einziger längerer Druck auf den Bildschirm zeigt beispielsweise die Entfernung zum ausgewählten Punkt, die Art des Punkts, dessen Frequenz (falls es sich um ein Funkfeuer handelt), die Frequenzen eines Flugplatzes, dessen Informationen und Anflugkarten usw. an.

Eine weitere Neuerung: Axis bietet dem Piloten die Möglichkeit, seine Anzeigen nahezu unbegrenzt anzupassen. Dies geschieht zum einen über den geteilten Bildschirm, zum anderen aber auch über Widgets. Auf dem PFD können Sie beispielsweise einen Block mit den nächstgelegenen Flugplätzen, einen weiteren mit einer Zusammenfassung des Flugplans und Verkehrsinformationen anzeigen. Der Pilot kann je nach Flugphase selbst auswählen, welche Informationen er benötigt.

Nahezu unbegrenzte Anpassungsmöglichkeiten

Nach 1,5 Stunden Flug ist es Zeit, zurückzukehren. Jessica bittet Axis, einen geführten Sichtanflug auf die Landebahn 18 von KIXD einzuleiten. Daraufhin erhalten wir eine laterale, aber auch eine vertikale Führung nach Art eines ILS mit einem Gleitpfad und einem Localizer. Zusätzlich zur üblichen Anzeige des Gleitwegs auf der rechten Seite des MFD und des Localizers im HSI hat Garmin oberhalb des HSI, direkt unterhalb der Fluglagenanzeige, noch eine Anzeige für die seitliche Abweichung hinzugefügt, die derjenigen ähnelt, die man auf dem Airbus-Display oder in Geschäftsreiseflugzeugen findet. Ihre Position ermöglicht somit einen verkürzten und effizienteren Sichtanflug.

Am Rand des Bildschirms können mehrere anpassbare Widgets platziert werden, die wie kleine Fenster den schnellen Zugriff auf ausgewählte Informationen ermöglichen. © Fabrice Morlon / AeroBuzz

Letztendlich betritt man mit Axis eine andere Dimension, ein anderes Zeitalter. Und weitere Raffinessen runden das Potenzial des Avioniksystems ab. Es werden keine Steckplätze für Update-Karten mehr benötigt, denn Axis verfügt über integriertes WLAN und Bluetooth, um den Flugplan über die Pilot App zu laden oder Daten auf ein Tablet zu exportieren.

Über einen USB-C-Anschluss an der Vorderseite kann man sein Smartphone aufladen oder mit dem System verbinden. Durch langes Drücken der MENU-Taste kann der Pilot Screenshots erstellen, die im internen Speicher abgelegt werden. Praktisch für die Wartung oder für die Nachbesprechung bei der Flugausbildung! Der Bildschirm verfügt sogar über einen HDMI-Anschluss an der Rückseite, um eine Kamera anzuschließen.

Das Garmin Axis übernimmt die Steckverbindungen des G3X Touch. © Fabrice Morlon / AeroBuzz

Was die Technik betrifft, ist die Montage zudem vereinfacht. Für den Einbau in das Armaturenbrett entspricht der Schraubenabstand dem des G3X. Es werden übrigens dieselben Steckverbinder wie beim G3X verwendet, und die originalen Air-Data- sowie Motordatensensoren können beibehalten werden. Für die Installation eines kompletten Axis-Systems ist ein Tag einzuplanen.

Axis ist in den USA ab heute erhältlich und dürfte in den nächsten Tagen auch in Europa auf den Markt kommen. Das STC deckt bereits mehr als 650 Flugzeugmodelle ab.

Garmin bietet fünf verschiedene Bildschirmtypen an. Für VFR-, Experimentalflugzeuge und zertifizierte Flugzeuge gibt es einen 11,6-Zoll-Bildschirm ohne COM/NAV und ohne Audio-Panel (8.000 US-Dollar) sowie zwei 8-Zoll-Bildschirme im Hoch- und Querformat (verfügbar ab Anfang 2027).

Für den IFR-Einsatz ist das Axis in einer Version ohne NAV sowie in einer Version mit COM/NAV und Audio-Panel (28.000 US-Dollar) erhältlich. Im Vergleich dazu kostet eine G3X Touch-Installation mit einem GTN 650/750Xi rund 30.000 US-Dollar.

Fabrice Morlon

 

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