Homepage » Luftverkehr » Alitalia-Mitarbeiter lehnen Sanierungsplan ab

Alitalia-Mitarbeiter lehnen Sanierungsplan ab

Jetzt wird es wieder einmal eng für die italienische Fluggesellschaft Alitalia. Die Mitarbeiter haben in einer Abstimmung den Sanierungsplan für die seit Jahren kriselnde Airline abgelehnt. Nun könnte dem Unternehmen schon in Kürze das Geld ausgehen.

25.04.2017

Alitalia betreibt derzeit noch elf Boeing 777-200ER. © Alitalia

Die Krisenstimmung bei Alitalia hat sich dramatisch verschärft: Nachdem die Mitarbeiter in einer Abstimmung mehrheitlich gegen den schon entschärften Sanierungsplan gestimmt haben, steht die italienische Fluggesellschaft nun vor dem Aus. Der zwischen der Firma und den Gewerkschaften ausgehandelte Sanierungsplan vom 14. April 2017 hatte die Streichung von 980 der 12.500 Jobs vorgesehen sowie eine Kürzung der Gehälter um 22 Prozent bei den Langstreckenpiloten und um 32 Prozent beim Kabinenpersonal.

Mit Hilfe der Maßnahmen aus dem Sanierungsplan sollte die Airline, die derzeit täglich fast eine Million Euro Verlust einfährt, innerhalb von zwei Jahren wieder profitabel arbeiten. Ursprünglich waren noch härtere Einschnitte geplant, die aber nach dem Eingreifen der italienischen Regierung abgemildert worden waren.

Durch eine Annahme des Sanierungsplanes hätten nach Angaben der Geschäftsführung finanzielle Mittel in Höhe von bis zu zwei Milliarden Euro freigemacht werden können, darunter Neukredite in Höhe von 900 Millionen Euro. Die geldgebenden Banken hatten eine Refinanzierung von einer Annahme des Sanierungsplanes durch die Mitarbeiter abhängig gemacht.

Die Mitarbeiter hatten beim Einstieg von Etihad Airways im August 2014 bereits Gehaltskürzungen und einen Stellenabbau über sich ergehen lassen. Damals hatten sie die Sanierung noch mitgetragen. Der italienische Regierungschef Paolo Gentiloni hatte vor der Abstimmung ein erneutes Eingreifen der Regierung abgelehnt und gesagt, falls der Plan scheitere, könne Alitalia nicht überleben.

Alitalia betreibt eine Flotte von derzeit 122 Flugzeugen. Sie hat nie ein Rezept gefunden, um sich gegen die stetig wachsende Konkurrenz der Low-Cost-Airlines zur Wehr zu setzen. Selbst in ihrem Heimmarkt verlor sie stetig Marktanteile und hatte 2016 nur noch knapp über 20 Prozent Marktanteil bei den Passagieren.

Die Geschäftsführung der Airline hat nun eine Aktionärsversammlung für den 27. April einberufen, um über die weitere Vorgehensweise zu beraten.

 

Über Volker K. Thomalla

zum Aerobuzz.de
Volker K. Thomalla ist Chefredakteur von aerobuzz.de. Er berichtet seit über 30 Jahren als Journalist über die Luft- und Raumfahrt. Von 1995 bis 2016 leitete er als Chefredakteur die Redaktion aerokurier, von 2000 bis 2016 zusätzlich die Redaktionen FLUG REVUE und Klassiker der Luftfahrt. Thomalla ist seit 2016 Chefredakteur des englischsprachigen Business-Aviation-Magazins BART International. Er hat mehrere Bücher über die Luftfahrt geschrieben und als Privatpilot auch praktische Flugerfahrung gesammelt.

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.

Diese Website verwendet Akismet, um Spam zu reduzieren. Erfahre mehr darüber, wie deine Kommentardaten verarbeitet werden.