Homepage » Luftverkehr » Alle Fan-Schaufeln des PW4000-112 müssen zur Inspektion

Alle Fan-Schaufeln des PW4000-112 müssen zur Inspektion

Die US-Luftfahrtbehörde hat angewiesen, dass alle Fan-Schaufeln des Triebwerks PW4000-112 vor dem nächsten Flug vom Hersteller auf Risse untersucht werden müssen. Diese Lufttüchtigkeits-Anweisung (AD) erfolgt nach dem Zwischenfall vom Samstag, bei dem sich ein PW4000-112 nach dem Start in Denver im Flug zerlegt hat.

26.02.2021

Die US-Luftfahrtbehörde FAA hat eine Flugsicherheitsanweisung erteilt, nach der alle Schaufeln aller PW4000-112 zum Hersteller zu einer Inspektion geschickt werden müssen. © Volker K. Thomalla

Nach den ersten Untersuchungsergebnissen des schweren Zwischenfalls vom 20. Februar eines PW4000-112-Turbofans an einer Boeing 777-200 der United Airlines in Denver hat die US-Luftfahrtbehörde FAA (Federal Aviation Administration) eine Flugsicherheitsanweisung veröffentlicht. Nach dieser AD (Airworthiness Directive) müssen alle Fan-Schaufeln aller PW4000-112 zum Hersteller Pratt & Whitney geschickt werden, der sie einer eingehenden Inspektion unterziehen muss.

Als Inspektionsverfahren schreibt die AD das Thermal Acoustic Imaging (TAI) Verfahren vor, mit dem auch Risse entdeckt werden können, die bei einer visuellen Untersuchung nicht entdeckt werden können. Die Inspektion muss vor dem nächsten Flug erfolgen, bislang war diese Inspektion nach 6.500 Cycles vorgeschrieben. Im Gegensatz zu den Fan-Schaufeln der anderen Mitglieder der PW4000-Triebwerksfamilie sind die Titanblätter der Baureihe -112 hohl. Die Zahl 112 in der Bezeichnung des Triebwerks weist auf den Durchmesser des Fans von 112 Zoll, also 2,85 Meter, hin.

Inspektion vor dem nächsten Flug

Der Triebwerkshersteller teilte nach der Veröffentlichung der AD mit: „Pratt & Whitney koordiniert alle Maßnahmen mit Boeing, den Fluggesellschaften und den Aufsichtsbehörden. Der sichere Betrieb der Flotte hat für uns oberste Priorität. Pratt & Whitney lobt die Flugbesatzung des United Airlines Fluges 328 für ihre Professionalität.“

Teile des PW4000-112 landeten beim Zwischenfall vom 20. Februar 2021 in der Gemeinde Broomfield in einer Wohnsiedlung. Niemand wurde verletzt. © Broomfield Police Department

Das PW4000-112 ist derzeit an 125 Großraumflugzeugen des Typs Boeing 777-200 installiert, von denen aber 69 aufgrund der momentanen geringen Passagiernachfrage geparkt, beziehungsweise eingemottet sind. Da jedes PW4000-112 über 22 Fan-Schaufeln verfügt, muss Pratt & Whitney insgesamt 5.500 Schaufeln in den nächsten Wochen überprüfen.

Betroffen sind All Nippon Airways, die 24 Triple Seven mit diesem Triebwerk betreibt, Asiana Airlines (7 Flugzeuge), Japan Airlines (20), Jin Air (4), Korean Air (17) und United Airlines mit 53 Boeing 777-200.

Volker K. Thomalla

 

Folgen Sie uns auf Twitter
Liken Sie uns auf Facebook

 

Schon gelesen? Weitere Beiträge zur Flugsicherheit: 

747-400-Frachter verliert Triebwerksteile bei Maastricht

An-124-Triebwerke müssen inspiziert werden

Ermittler suchen Triebwerksteile von Airbus A220-300

 

Über Volker K. Thomalla

zum Aerobuzz.de
Volker K. Thomalla ist Chefredakteur von aerobuzz.de. Er berichtet seit über 30 Jahren als Journalist über die Luft- und Raumfahrt. Von 1995 bis 2016 leitete er als Chefredakteur die Redaktion aerokurier, von 2000 bis 2016 zusätzlich die Redaktionen FLUG REVUE und Klassiker der Luftfahrt. Thomalla ist seit 2016 Chefredakteur des englischsprachigen Business-Aviation-Magazins BART International. Er hat mehrere Bücher über die Luftfahrt geschrieben und als Privatpilot auch praktische Flugerfahrung gesammelt.

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.

Diese Website verwendet Akismet, um Spam zu reduzieren. Erfahre mehr darüber, wie deine Kommentardaten verarbeitet werden.