Das indische Verteidigungsministerium (Ministry of Defence) eröffnete am Vorabend des 80. Unabhängigkeitstags des Landes am 12. August den MTA-Wettbewerb (Medium Transport Aircraft) zur Beschaffung von 60 mittleren Transportflugzeugen mit Optionen für 20 weitere Exemplare. Der Auftragsumfang soll voraussichtlich bei 1 Billion Rupien (9,0 Milliarden Euro) liegen. Der neue Militärtransporter soll die in die Jahre gekommenen Transportflugzeuge Antonow An-32 sowie die Iljuschin Il-76 der Indian Air Force (IAF) ablösen.
Indien erwartet bei allen Rüstungsgeschäften, dass die indische Industrie im Rahmen der „Make-in-India“-Strategie durch Gegengeschäfte und Lizenzfertigungen langfristig von diesen Aufträgen profitiert. Die Ausschreibungsunterlagen wurden deshalb an fünf indische Unternehmen verschickt: Adani Defence and Aerospace, Hindustan Aeronautics Limited Tata Advanced Systems, Mahindra und Reliance Defence. Von jedem Wettbewerber wird erwartet, dass er mit einem ausländischen Hersteller kooperiert.
Flugzeuge müssen in Indien gefertigt werden
Zwei Kooperationsabkommen sind bereits unter Dach und Fach. Tata Advanced Systems unterzeichnete am 10. September 2024 eine Vereinbarung mit Lockheed Martin, um die C-130J-30 Super Hercules anzubieten, während Mahindra seit der Unterzeichnung einer Absichtserklärung im Februar 2024 mit dem brasilianischen Hersteller Embraer an der C-390 Millennium arbeitet. Die anderen drei haben noch keine Partnerschaftsabkommen veröffentlicht. Beobachter erwarten bei dieser Ausschreibung ein Kopf-an-Kopf-Rennen zwischen Lockheed Martins C-130J Super Hercules und der Embraer C-390 Millennium. Die Indian Air Force betreibt bereits zwölf C-130J Super Hercules.
Lockheed Martin und Tata wollen bei der C-130J künftig noch enger zusammenarbeiten. Das indische Unternehmen fertigt bereits Leitwerke für den Militärtransporter. © Lockheed Martin
Der Anforderungskatalog an das zu beschaffende Muster umfasst unter anderem eine Nutzlast von 18 bis 30 Tonnen. Das viermotorige Turboprop-Muster C-130J schafft etwa 19 Tonnen, während die zweistrahlige C-390 über 26 Tonnen Nutzlast verfügt. Airbus hatte zuvor die A400M ins Spiel gebracht, wobei das Flugzeug aber mit derzeit 37 Tonnen Zuladung (und künftig 40 Tonnen Nutzlast) über der geforderten Nutzlastklasse liegt.
Bei einer Auftragsvergabe werden die ersten Flugzeuge jeweils vom ausländischen Hersteller geliefert, und die restlichen Exemplare werden in Indien gefertigt. Diese Strategie hatte die indische Beschaffungsbehörde schon zuvor bei der Beschaffung des Transportflugzeugs Airbus C295 angewendet. 16 der 56 bestellten C295 kommen aus dem Airbus-Werk in Spanien, die restlichen 40 Exemplare werden von einem Gemeinschaftsunternehmen von Airbus und Tata Advanced Systems in Vadodara gefertigt. AeroBuzz hatte darüber berichtet.
Bob Fischer
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