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E-Fan X: Elektroflug für Verkehrsflugzeuge rückt näher

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Nun steigt der Elektroflug in neue Dimensionen auf: Die drei Industriegrößen Airbus, Rolls-Royce und Siemens haben vereinbart, gemeinsam einen fliegenden Technologie-Demonstrator für ein hybrid-elektrisch angetriebenes Regionalverkehrsflugzeug zu realisieren. Der Erstflug des E-Fan X auf Basis einer BAe-146 soll schon 2020 stattfinden.

29.11.2017

Rolls-Royce, Siemens und Airbus entwickeln gemeinsam ein Hybrid-elektrisches Versuchsflugzeug. © Airbus

Noch gibt es kein alltagstaugliches, zugelassenes, in Serie gebautes Reiseflugzeug mit Elektroantrieb, da wagen sich die drei Industriegrößen Airbus, Rolls-Royce und Siemens an das Projekt eines hybrid-elektrisch angetriebenen Verkehrsflugzeugs. Und das ganze Projekt ist keine ferne Zukunftsmusik, sondern soll schon in drei Jahren zum ersten Mal abheben. Die drei Unternehmen haben gestern ihre Zusammenarbeit bei dem Projekt in den Räumen der Royal Aeronautical Society in London bekanntgegeben.

Als ersten Schritt bei der Verwirklichung des hybrid-elektrischen Technologie-Demonstrators mit dem Namen E-Fan X streben die drei Partner den Einbau einer entsprechenden Anlage in eine BAe-146 an. Dazu tauschen sie eines der vier Strahltriebwerke des Flugzeugs durch einen Zwei-Megawatt-Elektromotor sowie ein AE2100-Triebwerk als Energiequelle im Heck aus. Zu einem späteren Zeitpunkt soll noch ein zweites Triebwerk durch einen Elektromotor ersetzt werden.

“Der E-Fan X ist ein wichtiger Schritt in Richtung unseres Ziels, das elektrische Fliegen in naher Zukunft Wirklichkeit werden zu lassen. Unsere langjährige Erfahrung mit elektrischen Flugdemonstratoren, beginnend mit dem Cri-Cri, einschließlich e-Genius, E-Star, und mit dem E-Fan 1.2 als Höhepunkt, sowie die erfolgreiche Zusammenarbeit des
E-Aircraft Sytems House mit Siemens ebnen den Weg zu einem sicheren, effizienten und wirtschaftlichen Single-Aisle-Flugzeug mit hybridem Antrieb,“ zeigte sich Paul Eremenko, Chief Technology Officer (CTO) von Airbus, in London überzeugt.

Klare Aufgabenverteilung für die Partner

Airbus wird als Systemführer des E-Fan X für die Gesamtintegration sowie die Kontrollarchitektur des hybrid-elektrischen Antriebs und der Batterien verantwortlich sein, sowie dessen Integration mitsamt der Flugsteuerung.

Rolls-Royce zeichnet verantwortlich für das Triebwerk, den Zwei-Megawatt-Generator und die Leistungselektronik. Zusammen mit Airbus arbeitet Rolls-Royce ebenfalls an der Anpassung des Fans – der von einem AE3007-Turbofan stammt – an die bestehende Triebwerksgondel und den Siemens- Elektromotor.

Siemens wird den Zwei-Megawatt-Elektromotor und deren elektronische Leistungskontrolleinheiten sowie den Wechselrichter, Gleichspannungswandler  und das Energieverteilungssystem liefern.

Der E-Fan X soll Fragen beantworten

Der E-Fan X soll den Programmpartnern durch seine Erprobung verlässliche Daten über das Hochleistungs-Antriebssystem, seine thermischen Auswirkungen, die Steuerung des elektrischen Schubantriebs, sowie die Auswirkungen von Flughöhe und dynamischen Effekten auf elektrische Systeme liefern. Die Tests müssen auch Fragen zur elektromagnetischen Kompatibilität des Antriebs mit anderen Flugzeugsystemen beantworten.

Ziele des Projekts sind eine verbesserte und ausgereifte Technologie, Leistung, Sicherheit und Zuverlässigkeit, um einen zügigen Fortschritt der Hybridtechnologie zu erreichen. Das Programm zielt ebenfalls darauf ab, die zukünftigen Anforderungen an die Zulassung von elektrisch angetriebenen Flugzeugen festzulegen.

Paul Stein, Chief Technology Officer (CTO) von Rolls-Royce, sagte: „Der E-Fan X bereichert unseren Kenntnisstand im Bereich Elektrik, um das Fliegen zu revolutionieren, und heißt uns willkommen in der dritten Generation der Luftfahrt. Es ist eine aufregende Zeit für uns, denn das Ergebnis dieses technologischen Fortschritts wird die Entwicklung des weltweit leistungsstärksten Fluggenerators von Rolls-Royce sein.“

Die Luftfahrt soll grüner werden

Zu den wesentlichen Herausforderungen der Luftfahrt gehört die Entwicklung eines umweltverträglicheren und effizienteren Transportmittels, welches weniger von fossilen Brennstoffen abhängig ist. Die Partner haben sich verpflichtet, die  technischen EU-Richtlinien der Europäischen Kommission „Flightpath 2050 Vision for Aviation“ in Sachen Umweltschutz einzuhalten (75 Prozent weniger CO2, 90 Prozent weniger NOx und 65 Prozent niedrigere Geräuschemissionen). Diese Ziele kann man nach Expertenmeinung mit den Technologien von heute nicht erreichen.

Bob Fischer

 

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Bob Fischer ist PPL-Inhaber mit diversen Ratings. Er veröffentlicht regelmäßig Beiträge in Luftfahrtmagazinen auf der ganzen Welt. Bob hat eine große Erfahrung in Air-to-air-Fotografie mit Jets, Kolbenmotor- und Turbopropflugzeugen.

1 Kommentar

  • Frank

    Auf der offiziellen Präsentation der Extra 330 LE hatte Dr. Anton (Siemens) bereis bekannt gegeben, dass er sich Regionaljets für bis zu 100 Sitze mit Hybridantrieb bis 2030 vorstellen kann – scheint ja zu passen!
    Diese Aussage war von der Info begleitet, den Antrieb der Extra durch Verkoppelung dafür nutzen zu können – als Stromquelle würde neben Akkus dann eine APU reichen.
    Ziemlich spannende Entwicklung!

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