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EAG will ein 70-sitziges Hybrid-Flugzeug bis 2028 verwirklichen

Dem Start-up-Unternehmen Electric Aviation Group (EAG) mangelt es nicht an Selbstbewusstsein. Gestern hat es sein erstes Flugzeugprojekt HERA 70+ vorgestellt. Das hybrid-elektrisch angetriebene, 70-sitzige Regionalflugzeug soll schon 2028 in Betrieb gehen.

21.07.2020

Das britische Start-up-Unternehmen Electric Aviation Group will bis 2028 einen hybrid-elektrisch angetriebenes, 70-sitziges Regionalflugzeug verwirklichen. © PRNewsfoto/Electric Aviation Group (EAG)

Wer etwas verändern will, muss groß denken. Das scheint auch der Ansatz zu sein, den die in Bristol im Westen Englands beheimatete Electric Aviation Group (EAG) verfolgt. Gestern präsentierte das Start-up-Unternehmen seine Pläne für sein erstes Projekt. Und dieses Projekt ist ein hybrid-elektrisch angetriebenes Regionalflugzeug für 70 Passagiere namens HERA 70+. Die Bezeichnung ist ein Akronym aus den Anfangsbuchstaben des Projekts Hybrid Electric Regional Aircraft.

Die Firma hat nach eigenen Angaben die neuesten Technologien, die wirtschaftlichen und betrieblichen Parameter optimiert, um sicherzustellen, dass sie in der Lage ist, die Herausforderung der CO2-Neutralität von Massenverkehr zu meistern.

Reiner Elektroflug kommt später

Eine gestern veröffentlichte Abbildung der HERA 70+ zeigt einen viermotorigen Schulterdecker mit Tragflächen mit hoher Streckung. Die inneren und die äußeren Antriebe treiben unterschiedlich große Propeller an. An den Tragflächenspitzen sind nach unten gebogene Winglets zu erkennen. Anstelle eines konventionellen Leitwerks soll das Flugzeug ein U-förmiges Leitwerk erhalten. Zunächst soll das Flugzeug mit einem hybrid-elektrischen Antrieb gebaut werden, aber sobald ausreichend fähige Energiespeicher vorhanden sind, soll HERA auch voll elektrisch fliegen.

Kamran Iqbal, der Gründer und Hauptgeschäftsführer (CEO) der EAG, ist davon überzeugt, den richtigen Ansatz zu verfolgen. Er sagte: „Es wurden bereits bedeutende Investments eingesammelt, um ein Hybrid-Flugzeug mit weniger als 19 Sitzen beziehungsweise ein komplett elektrisch angetriebenes Flugzeug zu entwickeln. Wir glauben, dass dies eine falsche Strategie ist. Diese kleinen Flugzeuge können weder die Anforderungen des massenhaften Luftverkehrs noch die der Dekarbonisierung erfüllen. Unser Entwurf ist ein Flugzeug, das bei seinem Launch 2028 zunächst 800 nautische Meilen Reichweite bietet und in der Lage sein wird, über 70 Menschen zu transportieren. Wir werden einer der ersten Mover in einem Markt von 4,4 Billionen US-Dollar sein.“

Er sagte auch, dass das von EAG angeführte JetZero-Konsortium das Vorhaben einstimmig unterstützt. In dem Konsortium sind nach Angaben Iqbals führende britische Ingenieursfirmen und Produktionsorganisationen beteiligt.

Um das Konzept zu testen, will EAG zunächst eine De Havilland Dash 7 oder Dash 8 umbauen und ab 2024 erproben. HERA soll über kurze Start- und Landestrecken verfügen und auch Plätze mit steilen Anflügen wie London City bedienen können. Weitere Vorteile seines Entwurfs sieht die EAG in dem fast geräuschlosen Betrieb von HERA, sowie in einem besonderen Nutzungskonzept: Tagsüber sollen Passagiere in der Kabine Platz nehmen, nachts soll HERA Fracht fliegen und so die Wirtschaftlichkeit des Flugzeugs optimieren.

25.000 neue Jobs in Großbritannien

Das Unternehmen sieht sich in der reichen Luftfahrttradition seines Standortes in Bristol. Es habe bereits 25 Patente angemeldet, die eine große Bandbreite von Technologien abdeckten, teilte EAG gestern mit. Das Unternehmen geht davon aus, dass es anfänglich über 25.000 neue Arbeitsplätze in der Luft- und Raumfahrtindustrie in Großbritannien schaffen werde und Investitionen in Höhe von fünf Milliarden US-Dollar generieren werde.

Iqbal sagte: „Wir erwarten, dass dies ein großartiges Beispiel für britisches Design, Ingenieurskunst und Produktion wird. Die Entwicklung von HERA wird nicht nur dabei helfen, dass das Verkehrsministerium seine ‚Jet Zero‘-Kohlenstoffreduktionsziele schneller erreicht, sondern wird auch dazu beitragen, dringend benötigte Arbeitsstellen in der Luft- und Raumfahrt, der verarbeitenden Industrie, dem Maschinenbau und der Dienstleistungsindustrie nach dem Brexit zu schaffen.“

Volker K. Thomalla

 

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Über Volker K. Thomalla

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Volker K. Thomalla ist Chefredakteur von aerobuzz.de. Er berichtet seit über 30 Jahren als Journalist über die Luft- und Raumfahrt. Von 1995 bis 2016 leitete er als Chefredakteur die Redaktion aerokurier, von 2000 bis 2016 zusätzlich die Redaktionen FLUG REVUE und Klassiker der Luftfahrt. Thomalla ist seit 2016 Chefredakteur des englischsprachigen Business-Aviation-Magazins BART International. Er hat mehrere Bücher über die Luftfahrt geschrieben und als Privatpilot auch praktische Flugerfahrung gesammelt.

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