Homepage » Aero-Kultur » Eine Focke-Wulf Fw 200 Condor in Flughöhe null

Nach Abschluss der Restaurierung und des teilweisen Neubaus ist die Focke-Wulf Fw 200 Condor nun auf dem Gelände des ehemaligen Berliner Stadtflughafens Tempelhof angekommen. Dort wird sie zusammen mit anderen Flugzeugen das Herzstück einer Ausstellung bilden.

28.06.2021

Zwei Autokräne hoben den Rumpf an, damit der LKW mit dem Spezialanhänger darunter herfahren konnte. © Jan Frieben

Die Focke-Wulf Fw 200 „Condor“ wurde in den 30er Jahrendes des vergangenen Jahrhunderts entwickelt und hatte ihren Erstflug im September 1937. Entstanden durch den Bedarf der damals schnell wachsenden Verkehrsluftfahrt für ein komfortables Langstrecken-Reiseflugzeug mit den Anforderungen der Lufthansa, 25 Passagiere über 1.500 Kilometer transportieren zu können.

Die Tests erwiesen sich als erfolgreich und die Leistungen der Condor übertrafen die Erwartungen. Zahlreiche Rekordflüge bis hin zu einem knapp 25-stündigen Flug von Berlin nach New York sind in den Logbüchern verzeichnet.

Fw 200 Transport nach Tempelhof

Im Zweiten Weltkrieg wurde das Muster zu einem Seefernaufklärer und zu einem Bomber umgebaut, war in diesen Rollen nicht erfolgreich. Von diesem Flugzeugtyp war nach dem Krieg keines vollständig erhalten geblieben, bis eine Geschichte begann, die zu einer Zusammenarbeit von Deutschem Technik Museum Berlin, weiteren Sponsoren (Airbus, Rolls Royce, Lufthansa-Berlin-Stiftung) und einer begeisterten, fachlich hochkompetenten Mannschaft aus Technikern – vor allem aus der Luftfahrt – führte. Die Hochburgen der Restaurierung waren Bremen (Rumpf, Tragflächen etc.), Hamburg (Heck und Fahrwerke) sowie Oberursel (Motoren).

Diese Teamarbeit wurde nicht nur eine Erfolgsgeschichte, sondern bewies auch durch die ehrenamtlichen Mitarbeiter dieses Projektes über zirka 20 Jahre, dass Menschen, die das Rentenalter erreicht haben, keineswegs zum alten Eisen gehören!

Ein Flugzeug ohne Original-Zeichnungen aus einem wahren „Nichts“ wieder auferstehen zu lassen, ist eine riesige Aufgabe, die diese Menschen mit großem Willen, Fachkompetenz und Einfallsreichtum bewältigt haben. Es sagte mal ein Beobachter, dass „man sich dieser Mannschaft nicht in den Weg stellen solle.“

Die Focke-Wulf Fw 200 Condor, die nun von Bremen nach Berlin transportiert wurde, war 1942 in Norwegen aufgrund eines technischen, – nur schwer beherrschbaren – Problems im Landeanflug (ungleiches Ausfahren der Spreizklappen) notgewassert und in einem Fjord versunken. 57 Jahre im Salzwasser und das unglückliche Auseinanderbrechen des Wracks bei der Bergung ließen eine Restaurierung in den Bereich vermeintlicher Phantasie versinken.

Die Mannschaft schaffte das Unmögliche

Die „Mannschaft“ und ihre Sponsoren unter Leitung des Deutschen Technik Museum Berlin machte in den letzten beiden Jahrzehnten das Unmögliche jedoch möglich! Ein besonders zu beachtendes Moment ist, dass viele dieser Fachtruppe heute über 80 Jahre jung sind. Die Anforderungen und ihr selbst gestecktes Ziel haben sie zusammengeschweißt und zahlreiche Hindernisse auf diesem Wege haben ihren Durchhaltewillen nicht beeinträchtigen können. Ihnen und den Sponsoren des „Projektes Fw 200 Condor“ ist es zu verdanken, dass in diesen Tagen dieses Flugzeug fertig geworden ist.

Obwohl das viermotorige Flugzeug nun in einem technischen Top-Zustand ist, wird die Condor ein reines Ausstellungstück bleiben. Vom 16. bis zum 24. Juni wurde sie in mehreren Transporten von Bremen nach Berlin überführt. Motoren, Tragflächen in vier Teilen, Leitwerke, Verkleidungen etc. wurden sorgfältig verpackt überführt, – bis am 22.– 24. Juni als Krönung der Rumpf auf einem Spezialfahrzeug mit Überlänge (26,40 Meter) und 3,0 Meter Breite seinen Weg in Flughöhe null nach Tempelhof antrat.

Die letzten Vorbereitungen und die Verladung nahmen den ganzen Dienstag in Anspruch. Durch die Übergröße des Transportes durfte nur in den späten Abendstunden beziehungsweise nachts gefahren werden. Bürokratische Hürden waren in den Wochen zuvor zu überwinden, da Genehmigungen für die Strecke, von der nicht abgewichen werden durft, in den zu durchfahrenden Bundesländern gesondert beantragt werden mussten.

Tschüss Bremen, hallo Berlin!

Zum Abschied der Fw 200 waren viele ehrenamtliche Mitarbeiter mit ihren Familien erschienen, um „ihrem Baby“ alle guten Wünsche mit auf den Weg zu geben. Ein bewegter Moment für alle, wie auch der zufällige Zuschauer unweigerlich wahrnehmen konnte. Die Fw 200 ist für sie ein Teil ihres Lebenswerks, dass sie von Beginn an mit dem Ziel der Ausstellung in Tempelhof durchführten.

„Wer hätte das gedacht, es ist geschafft“ äußerte Heiko Triesch, der Leiter der Luftfahrtabteilung des Technikmuseums. Abschiedsschmerz mit einem Schuss Euphorie und Stolz über das Geleistete prägten die letzten Minuten vor der Abfahrt.

Dann ein kurzer Schock: Der Transport, durch ein kommunikatives Missverständnis verursacht, fuhr los, ohne dass die vorgesehenen Zeremonien vollzogen waren. Bedingt durch die Auflagen der Behörden durfte der Transport nicht noch mal umdrehen. Die Improvisationsfreudigkeit der vergangenen 20 Jahre führte dazu, dass der Transport auf einem Industriegelände wenige Kilometer entfernt noch mal anhalten konnte und alle den gebührenden Abschied vornehmen konnten – unter anderem mit einer symbolischen Schlüsselübergabe an das Technikmuseum. Mit bewegten Mienen folgten die Mitarbeiter der Abfahrt gegen 22.00 Uhr.

Die Condor fuhr in dieser Nacht ohne Zwischenfälle mit einem Begleitfahrzeug des Museums bis zu einem Rastplatz kurz vor Berlin, der in den frühen Morgenstunden erreicht wurde. Während der Ruhezeit musste die einzigartige Fracht bewacht werden. Am 23. Juni spätabends konnten die Fahrer die letzte Etappe beginnen und um 23.00 Uhr traf der Transport wie vorgesehen in Tempelhof ein. Dem Empfangskomitee mit Presse und den Mitarbeitern des Museums wurde noch Geduld abgefordert, da das Tor zum Vorfeld des Flughafens zunächst nicht zu öffnen war. Die Einfahrt auf das Gelände des Flughafens Tempelhof war für viele ein emotionaler Moment, und der Fahrer ließ es sich nicht nehmen, das Fahrzeug mit der Fw 200 Condor unter dem beleuchteten Schriftzug „Berlin Tempelhof“ zu platzieren.

Dass anschließend die Entladung im – wohl vorübergehenden – Hangar 7 erfolgreich gegen 1.00 Uhr nachts beendet wurde, war der Abschluss eines reibungslosen Transportes. Das Flugzeug wird in den kommenden Wochen von Mitarbeitern des Projektes und des Museums zusammengebaut.

Das Deutsche Technik Museum Berlin plant so bald als möglich, auch die dort weiteren zur Ausstellung anstehenden Flugzeuge (eine Iljuschin IL-14P und eine Douglas C-54) der Öffentlichkeit zunächst in Form von Führungen zugänglich zu machen.

Auch ein Platz für die Junkers Ju 52?

Da die Junkers Ju 52 ursprünglich vom Flughafen Tempelhof das Streckennetz der Lufthansa bediente, kam bei einigen Anwesenden die Frage auf, wann diese beiden wichtigen Zeugen der Verkehrsluftfahrt der damaligen Zeit, die Fw 200 und die Ju 52, gemeinsam den Besuchern ihre Geschichte erzählen.

Die Lufthansa hatte schon vor vielen Jahren geäußert, dass sie ihrer Ju 52 D-AQUI in einem Museum auf dem Tempelhofer Flugfeld einen würdigen Alterssitz verschaffen wolle. Die Tante Ju, wie sie auch liebevoll genannt wird, beförderte nach ihrer Restaurierung 1984 bis 1986 in Hamburg 32 Jahre lang unter dem Dach der Deutschen-Lufthansa-Berlin-Stiftung unfallfrei über 250.000 Fluggäste auf Rund- und Streckenflügen. Wie oben erwähnt, ist die Lufthansa-Berlin-Stiftung auch einer der treibenden Sponsoren des Fw 200-Projektes.

Der weiteren Entwicklung der Ausstellung am Flughafen Tempelhof darf mit Spannung entgegengesehen werden. Sie wird mit Sicherheit das Interesse der Berliner wecken und ein weiterer Touristenmagnet für die Stadt werden.

Jan Frieben

 

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Über Jan Frieben

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Jan Frieben kann auf eine lange Karriere in der Luftfahrt zurückblicken. Er hat als Dispatcher beim JaBoG 31 seinen Dienst geleistet, war am Medizinischen Institut der Deutschen Gesellschaft für Luft- und Raumfahrt tätig, hat Flugzeugbau studiert und flog von 1980 bis 2004 bei der Lufthansa als Flugingenieur die Boeing 727, die Douglas DC-8 und die Boeing 747-200. Er war seit 2008 im Projektteam der Lockheed L-1649 Super Star und hat bislang rund 11.000 Flugstunden gesammelt. Er war nebenbei auch immer journalistisch tätig.

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