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Rückblick: Die ILA 1986 in Hannover

2020 hat es keine ILA gegeben. Die Covid-19-Pandemie hat die traditionsreiche Luftfahrtveranstaltung gestoppt. Ein Blick zurück auf die ILA 1986 zeigt, wie lange Programme in der Luft- und Raumfahrtindustrie laufen. Die Messe vor 36 Jahren in Hannover hatte auch interessante Premieren zu bieten.

29.07.2020

Airbus A300 und Junkers Ju 52 im Static Display der ILA 1986 in Hannover. © Volker K. Thomalla

1986 war Helmut Kohl bereits vier Jahre Bundeskanzler und sollte es noch zwölf weitere Jahre bleiben, Richard von Weizäcker war Bundespräsident. Erich Honecker feierte sein zehnjähriges Jubiläum als Staatsratsvorsitzender der DDR. Es gab zwei deutsche Staaten, die durch eine Mauer getrennt waren. Die ILA fand noch alle zwei Jahre in Hannover statt.

ILA `86 in Hannover

NH90, Eurofighter, Tiger, Airbus A340 und Dornier Seastar waren auch schon vor 36 Jahren auf der Internationalen Luft- und Raumfahrt-Ausstellung ILA `86 Gesprächsthemen. Auf der Messe wurde die Eurofighter Jagdflugzeug GmbH mit Sitz in München gegründet. Damals ging man davon aus, dass der Eurofighter ab 1995 die – damals schon – veralteten McDonnell Douglas F-4F Phantom II bei der Luftwaffe ersetzen würde. Um die im Pflichtenheft geforderten Leistungen zu erreichen, legten die vier Partnerländer Italien, Großbritannien, Spanien und Deutschland fest, dass für den künftigen Jäger ein komplett neues Triebwerk entwickelt werden solle.

Bei den Helikoptern standen auf der ILA `86 die beiden Programme NH90 und PAH-2 im Vordergrund. 1985 hatten Aérospatiale, Agusta, Westland Helicopter, Fokker und MBB ein Abkommen zur Definition eines künftigen Mehrzweckhubschraubers für die NATO in den neunziger Jahren unterzeichnet. Deswegen nannte man das Projekt NH90. Die beteiligten Firmen sahen einen Bedarf von 700 Exemplaren und eine Indienststellung Mitte der 90er Jahre. Tatsächlich ging der NH90 erst 2006 in Dienst.

Vom deutsch-französischen Kampfhubschrauber PAH-2 – der spätere Tiger – zeigten die Partnerunternehmen eine 1:1-Attrappe auf dem Messegelände. Als Auslieferungstermin nannte das Herstellerkonsortium damals 1993. Der Erstflug fand tatsächlich 1991 statt, aber erst 2003 wurden die ersten Tiger an die Kunden ausgeliefert.

Ein besonderes Highlight der Messe, die von Dauerregen und tiefhängenden Wolken meteorologisch nicht auf der Sonnenseite stand, wurde von der Lufthansa präsentiert: Auf der ILA 1986 in Hannover stellte die Lufthansa erstmalig ihre frisch restaurierte Junkers Ju 52 vor, die sofort zum Publikumsliebling avancierte.

Premiere der Ju 52 der Lufthansa

Eine weitere Premiere auf der Messe war der Regierungsjet vom Typ Canadair Challenger 601, der erste wenige Tage vor der ILA an die Flugbereitschaft des Bundesministeriums der Verteidigung übergeben worden war. Stolz verwiesen die Vertreter von Canadair darauf hin, dass das Cockpit des Flugzeugs von Dornier gebaut worden war. Bis 2011 sollte das Muster im Dienst der Bundesregierung stehen, bevor es durch die Bombardier Global 5000 abgelöst wurde.

Auf der ILA `86 präsentierte sich MBB auch als Partner für ein ambitioniertes, visionäres Regionalflugzeug-Projekt. Zusammen mit chinesischen Firmen wollte der deutsche Aerospace-Konzern das von zwei Propfans von General Electric angetriebene Regionalflugzeug MPC 75 entwickeln und auf den Markt bringen. Doch die politischen, technischen und wirtschaftlichen Herausforderungen erwiesen sich dann schnell als zu groß, und das Projekt verschwand wieder in den Schubladen.

Oldtimerflugzeuge waren in Form einer DC-3 sowie einer Supermarine Spitfire aus Großbritannien nach Hannover gekommen. Die Rundflüge in der DC-3 waren schnell ausgebucht, auch wenn einige wegen der tiefhängenden Wolken nicht stattfinden konnten. Die Allgemeine Luftfahrt nahm einen großen Platz auf der Messe ein. Alles, was in der General Aviation Rang und Namen hatte, war nach Hannover gekommen. Zu den Exoten zählte auch eine Cessna 337 Push-pull aus Ungarn. Das Land lag damals noch hinter dem Eisernen Vorhang, und ein westliches Flugzeug mit einer osteuropäischen Registrierung war eine kleine Sensation.

Die Zeitschrift FLUG REVUE feierte auf der ILA `86 ihr 30-jähriges Bestehen. Da auch die Do 27 in diesem Jahr ihren 30. Geburtstag feierte, ließen Dornier und die FLUG REVUE eine Do 27 mit Folien bekleben und stellten es als gemeinsames Jubiläumsflugzeug aus.

Volker K. Thomalla

 

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Über Volker K. Thomalla

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Volker K. Thomalla ist Chefredakteur von aerobuzz.de. Er berichtet seit über 30 Jahren als Journalist über die Luft- und Raumfahrt. Von 1995 bis 2016 leitete er als Chefredakteur die Redaktion aerokurier, von 2000 bis 2016 zusätzlich die Redaktionen FLUG REVUE und Klassiker der Luftfahrt. Thomalla ist seit 2016 Chefredakteur des englischsprachigen Business-Aviation-Magazins BART International. Er hat mehrere Bücher über die Luftfahrt geschrieben und als Privatpilot auch praktische Flugerfahrung gesammelt.

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